Donnerstag, 18. März 2004

Heißer Kampf um Reisepreise: TUI kontra Neckermann!

  • Anbieter beklagen Preisverfall in Sommerkatalogen!
  • Urlauber jubeln: Heuer sind Reisen bis zu 30 Prozent billiger!

Neckermann-Boss Peter Balluch hat derzeit alle Chancen, zu Österreichs beliebtestem Deutschen gekürt zu werden. Zumindest bei den fernwehgeplagten Mitmenschen steht der toughe Manager seit geraumer Zeit hoch im Kurs....

Und daran wird sich so schnell nichts ändern. Denn nach Spanien-Schnäppchenflügen zu 55 Euro (die Aktion endet Ende März) lockt der vielerorts als 'Gottseibeiuns der Pauschaltouristik' verdammte Reiseveranstalter jetzt mit satten Rabatten für den Familienurlaub. "Die Budgets der Menschen haben sich verändert. Unsere Aufgabe ist es, Reisen wieder finanzierbar zu machen", zeigt Balluch Verständnis für die mitunter reichlichst angespannte finanzielle Situation des österreichischen Durchschnittshaushaltes. Er verspricht für den heurigen Sommer Preise, die bis zu 28 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen. So etwa ist eine Woche Zakynthos im 4-Sterne-Hotel (inkl. Frühstück) zum Schnäppchenpreis von 336 Euro pro Person zu haben, die Ferienanlage auf Mallorca schlägt sich (inkl. Halbpension) mit lediglich 384 Euro zu Buche.

Die Konkurrenz tobt
Auf weitaus weniger Gegenliebe stoßen Balluchs Kampfpreise bei der Konkurrenz. "Wir werden die von Neckermann eingeführten Preise nicht in den Markt stellen. TUI verkauft seine Reisen nicht über den Preis, sondern über die Qualität", lässt TUI-Boss Franz Leitner, mit einem Marktanteil jenseits der 43 Prozent unangefochtener Branchenprimus, keinen Zweifel daran aufkommen, was er von den "Marketinggags" des Mitbewerbers hält. Und auch Uwe Schmidt, innerhalb der TUI-Gruppe für den Reiseveranstalter Gulet zuständig, hält mit seiner Kritik nicht hinterm Berg: "Neckermann bringt seine Schnäppchenangebote gerade in der Hauptbuchungszeit für den Sommer. Damit wird ein genereller Werteverfall von Urlaubsreisen eingeleitet."

Preisspirale dreht sich
Ganz ohne Zugeständnisse an den beinharten Preiskampf in der Branche ist freilich auch die TUI-Gruppe (TUI, Gulet / Magic Life, Touropa Austria, Terra, 1-2-Fly, Fun & Sun) nicht davongekommen. Die Katalogpreise wurden heuer um durchschnittlich 10 bis 15 Prozent gesenkt. Zudem winken Zuckerln wie "Kinderfestpreise", die den Familienurlaub 2004 im Idealfall um bis zu 20 Prozent günstiger machen. Und auch bei der konzerneigenen Billigschiene 1-2-Fly wurde kräftig an der Preisschraube gedreht. Der All-inclusive-Kluburlaub in Tunesien kostet in diesem Jahr nur 357 Euro pro Person. Im Jahr zuvor musste man für dasselbe Angebot noch 507 Euro berappen.

Gut möglich, dass derselbe Trip schon im nächsten Jahr um noch weniger Geld zu machen sein wird, "denn der Tourismus", so Verkehrsbüro-Boss Hans Dieter Toth, "steht derzeit erst am Anfang einer Entwicklung, die für andere Branchen, wie etwa den Handel, schon seit geraumer Zeit zur Normalität des Geschäftslebens gehört. Nämlich, dass die Menschen Top-Qualität zum günstigsten Preis haben wollen."

Trend zum Gratisurlaub
Schließlich sind auch die Reiseveranstalter selbst nicht ganz unschuldig an der zunehmenden Preissensibilität ihrer Klientel. Sie waren es, die im wirtschaftsmaroden Krisenjahr 2003 ihre Überkapazitäten im Last-Minute-Geschäft regelrecht verschleudert haben. Heuer gibt man es von vornherein billiger. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden.

(Aus NEWS 12/2004)

18.3.2004 11:29