Mittwoch, 17. März 2004

Hermann Maier: Mein schönster Sieg

  • Emotion pur nach dem vierten Gesamtweltcup-Triumph.

Phänomen Maier. Der Herminator steht nach seiner Comeback-Saison wieder ganz oben. Und ist hungrig auf noch mehr Erfolge. Die Chronik eines Ski-Wunders.

Mit diesem überwältigenden Empfang vor zehntausend Fans hatte selbst der an sich an Ehrungen gewöhnte „Herminator“ nicht gerechnet: Ganz Flachau war am Dienstagabend auf
den Beinen, um dem größten Sohn der Pongauer Gemeinde zu huldigen. Dazu kamen massenhaft Fans aus ganz Österreich, die es sich nicht nehmen ließen, bei der triumphalen Heimkehr des Ski-Kaisers dabei zu sein. Hermann Maier, 31, bewegt wieder die Massen – als Gesamtweltcupsieger. Der Ski-Kaiser ist auf triumphale Art und Weise auf seinen Thron zurückge-kehrt.

Weltcup-Bilanz. In Sestriere, wo 2006 die Alpinbewerbe der Olympischen Winterspiele über die Bühne gehen, sicherte sich der ehemalige Salzburger Maurer und Skilehrer die vierte „große Kristallkugel“ seiner Karriere. Und so nebenbei nahm er auch seine zehnte „kleine Kugel“ in einer Spezialwertung entgegen. Macht zusammen 14-mal Weltcup-Kristall. Mehr hat vor ihm nur der Schwede Ingemar Stenmark daheim in der Vitrine stehen (insgesamt 18). Maiers Sammlung ist aber umso bemerkenswerter, als er nach seinem schweren Motorradcrash im Sommer 2001 und nach fast zweijähriger Rennpause heuer erst seine fünfte volle Weltcupsaison bestritten hat. Stenmark dagegen war mehr als ein Jahrzehnt als Siegläufer im Skizirkus unterwegs.

Psycho-Finale. Aber anders als in den Wintern seiner „ers-ten Karriere“ erlebte Hermann Maier in seiner Comeback-Saison ein Wechselbad der Gefühle, das beim großen Finale im Piemont schließlich seinen absoluten Höhepunkt fand.

Falscher Ski. Als Gesamtweltcupführender war der „Herminator“ nach Sestriere gekommen, aber nur knapp hundert Punkte trennten ihn von den drei Verfolgern, dem Amerikaner Bode Miller und seinen Teamkollegen Stephan Eberharter und Benni Raich. Aber gleich im ersten Finalrennen, der Abfahrt, wurden alle Punkteprognosen wieder über den Haufen geworfen. Der „Herminator“ vergriff sich bei der Skiwahl und lieferte mit Platz 18 das schlechteste Ergebnis seines Abfahrtswinters.

Aber schon am nächsten Tag schlug Maier im Super-G zurück, fuhr das nach eigener Aussage beste Rennen der Saison und deklassierte seine Konkurrenten wie in früheren Zeiten. Aber als alle schon mit einer vorzeitigen Entscheidung im Riesentorlauf am vorletzten Finaltag gerechnet hatten, ging der Ski-Kaiser bei Nebel und Schneefall im Riesentorlauf total unter. Plötzlich hatte der Halbzeitführende Benni Raich wieder die besten Karten im Kampf um den Gesamtweltcup.

Letztes Zittern. Dann spielte das Wetter Schicksal. Der zweite Riesentorlaufdurchgang wurde zunächst abgebrochen, Stunden später das komplette Rennen annulliert. Damit war Maier auch im letzten Slalom der Saison nicht mehr von der Spitze zu verdrängen. Als ihn die frohe Botschaft erreichte, lag der „Herminator“ bereits fuchsteufelswild auf sich selbst und auf die Jury, die den zweiten Riesentorlaufdurchgang ursprünglich am Sonntag nachtragen wollte, im Bett im Mannschaftshotel. Mehr als eine halbe Stunde lang hatten die „Herminator“-Fanshop-Betreiber Rupert Silbergasser und Ernst Lackner telefonisch versucht, Maier vom vorzeitigen Gewinn des Gesamtweltcups zu überzeugen. Der wollte es nicht und nicht glauben. Bis die Nachricht vom Internationalen Skiverband (FIS) endlich weltweit bekannt gemacht wurde.

Die ganze Erfolgsstory lesen Sie im neuen NEWS
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17.3.2004 16:35