Freitag, 19. März 2004

FORMAT zur Schmiergeld-Affäre: Mr Alpine in der Provisionsfalle

  • Österreichs drittgrößter Baukonzern versinkt im Strudel einer Schmiergeldaffäre. Der Mehrheitsaktionär will verkaufen.

Österreichs drittgrößter Baukonzern versinkt im Strudel einer Schmiergeldaffäre, der Mehrheitsaktionär will verkaufen: Georg Pappas kriegt sich kaum ein vor Wut. Dabei hat sich der 75-jährige Patriarch des steinreichen Salzburger Unternehmerclans (geschätztes Vermögen: rund 700 Millionen Euro) wegen seiner Besonnenheit und seines unternehmerischen Weitblicks einen sagenumwobenen Ruf erworben. Im FORMAT erklärt der Kommerzialrat, was ihn so in Rage bringt.

Was Pappas, unter anderem erfolgreicher Großimporteur von Mercedes in Österreich, und seinen 40-jährigen Sohn Alexander gar so wurmt: Die beiden müssen jeden Tag neue Enthüllungen über eine ihrer wichtigsten Unternehmensbeteiligungen ertragen - ein hässliches Amalgam aus Amigo-Affäre und Korruptionssumpf, das die Familie Pappas als Mehrheitsgesellschafter des drittgrößten Baukonzerns Österreichs nun so rasch wie möglich loswerden will.

Laut FORMAT vorliegenden Informationen will die B&C Stiftung der Bank Austria Creditanstalt die Pappas-Anteile kaufen.

Sündenbock: Aluta-Oltyan
Den Sündenbock für den Schmiergeldskandal haben die Pappas' längst ausgemacht. Denn Dietmar Aluta-Oltyan lässt seit zehn Tagen keinen Lapsus aus. Der 59-jährige Alpine-Chef, ein mit allen Wassern gewaschener Technikfreak, hat alles falsch gemacht, seit ein Rudel von 20 Ermittlern in den Büros des Baukonzerns im Salzburger Vorort Wals-Siezenheim auftauchte.

Während die Ermittler bei der Hausdurchsuchung nach Belastungsmaterial buddelten, versuchten Alpine-Manager, noch rasch belastende Computerdateien zu löschen. Anstatt zur Verhaftung des inzwischen zurückgetretenen Präsidenten des Münchner Fußballklubs TSV 1860, Karl-Heinz Wildmoser, und dessen Sohn "Heinzi" Stellung zu beziehen, zog es Aluta-Oltyan vor, auf Tauchstation zu gehen.

Das PR-Desaster währte 36 Stunden, bis Alpine-Mehrheitsgesellschafter Pappas der Kragen platzte. In einer Presseinformation ließ Georg Pappas verlauten: "Die Familie Pappas fordert lückenlose Aufklärung der Vorwürfe."

Wildmoser junior, 40, packte indes im Knast aus. Um der Alpine den 285-Millionen-Euro-Auftrag zu verschaffen, habe er im Gegenzug von Aluta-Oltyan exakt 2.429.632,86 Euro erhalten, gestückelt in drei Tranchen, unter anderem getarnt als Scheinrechnung "Provision für Projekt China".

Die Folge des Geständnisses: Die Staatsanwaltschaft Salzburg leitete gegen Aluta-Oltyan Voruntersuchungen wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue ein.

Aluta-Oltyan hat nun legale Geldflüsse zugegeben - er ist wild entschlossen, sogar gegen die Justiz mit Schadenersatz-Forderungen vorzugehen.

Die Alpine, mit 9.000 Mitarbeitern und 1,7 Milliarden Euro Umsatz hinter Bau Holding und Porr Nummer drei der Branche, steht mit dem Rücken zur Wand. Sicher ist, dass in den vergangenen zehn Tagen großer Schaden entstanden ist. Auch der FC Bayern München will jetzt Schadenersatz einklagen.

Bis zur Klärung der Vorwürfe ist kaum vorstellbar, dass Alpine-Boss Aluta-Oltyan und Finanzvorstand Otto Mierl - profitierend von den exzellenten Drähten des Mercedes-Importimperiums Pappas - ähnliche Prestigeprojekte aufreißen wie den Bau des Deutschen Historischen Museums oder des Internationalen Handelszentrums in Berlin.
(Format)

19.3.2004 10:11