Montag, 15. März 2004

Matthäus über Herzog: "Er war der größte Fehleinkauf in der Rapid-Geschichte"

  • "Ich und die Fans wollten ihn nie"
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Der deutsche Fußball-Rekordteamspieler Lothar Matthäus hat sich wieder einmal abfällig über seinen früheren Verein SK Rapid geäußert. In einem Interview für eine deutsche Fußball-Zeitschrift beschrieb er die Gründe für seine Entlassung beim österreichischen Rekordmeister: "In Wien ging es nicht um den Sport, dort bin ich aus persönlichen Gründen entlassen worden", sagte der fast 43-Jährige und hatte auch für Andi Herzog wenig schmeichelhafte Aussagen übrig. "Herzog war der größte Fehleinkauf der Vereinsgeschichte."

Rapid hatte den Regisseur im Jänner 2002 von Werder Bremen "heimgeholt", was der damalige Hütteldorfer Teamchef unter anderem mit den Worten "Herzog ist in Österreich so wie Beckenbauer in Deutschland. Dieser Transfer ist nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft des Vereins wichtig", kommentierte. Gut zwei Jahre später schlägt Matthäus andere Töne an. "Ich und die Fans wollten ihn nie - das war das Ende zwischen mir und dem Präsidenten (Anm.: Rudolf Edlinger)."

Dabei hatte der Weltmeister von 1990 vor gut zwei Jahren nichts gegen eine Verpflichtung des österreichischen Rekord-Internationalen einzuwenden. Auf dem der APA vorliegenden Beurteilungsbogen des Spielers Herzog forderte Matthäus gemeinsam mit seinem damals offiziell als Trainer fungierenden Mitarbeiter Günter Güttler die Verpflichtung des Mittelfeldspielers.

Als Stärken wurden auf dem von Matthäus und Güttler am 4. Jänner 2002 unterzeichneten Dokument (Herzog wurde am 6. Jänner 2002 präsentiert) "absoluter Führungsspieler" und "Teamspieler, der den unbedingten Erfolg will" angegeben. Zudem bezeichneten die Deutschen Herzog als "absoluten Häuptling im Team. Ein Spieler, der in schwierigen Situationen Verantwortung übernimmt." Positive Erwähnung fand weiters Herzogs "sehr guter linker Fuß", sein "sehr guter Schuss" und seine "hohe Spielkultur."

Als Aufgaben des früheren Bremen- und Bayern-Kickers wurden "junge Spieler führen", "absolute Leitfigur", "seine hohe Spielkunst in das Mannschaftsspiel einbringen", "das Offensivspiel bei Rapid zu verbessern" und "bei Standard-Situationen seine Klasse ausspielen" genannt.

Viele Schwächen hatte Matthäus bei Herzog, der Rapid nach Saisonende 2002/03 verließ und mittlerweile für Los Angeles Galaxy spielt, nicht ausgemacht. "Müsste noch mehr aus seiner Führungsrolle machen" wurde ebenso notiert wie "Abwehrverhalten muss verbessert werden" und "schlechtes Kopfballspiel." Beim Punkt "Wichtige Maßnahmen bei einer Verpflichtung" ist unter "medizinische Maßnahmen" nur der Terminus "Gewicht?" angeführt.

Matthäus, seit Jahresbeginn ungarischer Teamchef, war beim österreichischen Rekordmeister von September 2001 bis Mai 2002 engagiert. Der Deutsche schied im Unfrieden von den Hütteldorfern, gegen die er bis Dezember 2002 prozessierte. Grund dafür war die Tatsache, dass seine ursprüngliche Beurlaubung im Mai 2002 (sein Vertrag wäre bis 2003 gelaufen) in eine fristlose Kündigung umgewandelt worden war, weil er zuvor seinen ehemaligen Arbeitgeber via "NEWS" unter anderem als "Schlangengrube" bezeichnet und nicht mit Kritik am Präsidium gespart hatte.

Der ehemalige Weltfußballer des Jahres schloss mit Rapid das Spieljahr 2001/02 als Tabellen-Achter ab - die schlechteste Platzierung in der Vereinsgeschichte. Zum derzeitigen Höhenflug der Grün-Weißen hat er aber nach eigenen Angaben einiges beigetragen. "Ich habe in Wien eine gute Mannschaft ohne Söldner aufgebaut, die heute oben steht. Steffen Hofmann habe ich aus München von den Amateuren geholt - heute ist er Rapid-Kapitän", sagte Matthäus im "kicker".

(apa/red)

15.3.2004 13:26