Dienstag, 16. März 2004

Rom schließt Truppenabzug aus: Italiener bleiben im Irak

  • Außenminister Frattini: "Italienische Regierung ändert ihren Weg nicht"
  • Europa müsse "Geschlossenheit zeigen"

Italien schließt einen Abzug seiner Truppen aus dem Irak aus. "Wir bleiben im Irak, die italienische Regierung ändert ihren Weg nicht. Warum sollten wir einen Rückzieher machen?" fragte der italienische Außenminister Franco Frattini.

"Italien setzt sich ein, damit ab 1. Juli eine legitime irakische Regierung die Führung des Landes übernehmen kann. Wir bemühen uns um eine aktive Beteiligung der UNO am Übergangsprozess im Irak. Die Regierung Berlusconi hat diese Verantwortung übernommen und will dabei auch bleiben", meinte Frattini.

Ein Krieg gegen den Westen sei im Gange und Europa habe die Pflicht zu reagieren, meinte der Minister. Laut Frattini sind die Anschläge in Madrid keine Reaktion auf Spaniens Einsatz im Irak. "Der Terrorismus hat ein Ziel: Uns zu spalten. Wir müssen dagegen unsere Geschlossenheit zeigen", meinte der Minister.

Nach der Ankündigung des künftigen spanischen Ministerpräsidenten Jose Luis Rodriguez Zapatero, die Truppen seines Landes aus dem Irak abzuziehen, ist Regierungschef Silvio Berlusconi in Rom politisch stark unter Druck geraten. Nicht nur die "Hardliner" der Pazifistenfront wie die italienischen Kommunisten und die Grünen, auch die Linksdemokraten drängen den Ministerpräsidenten, die italienische Mission im Irak zu überdenken, die vom Parlament erst vergangene Woche bis Ende Juni verlängert wurde.

Auf die Forderung der Oppositionsparteien erwiderte die Regierungskoalition scharf. "In dieser Phase wäre ein Rückzug der italienischen Truppen verantwortungslos und ein Sieg für die Terroristen, die die Koalition im Irak spalten wollen. Das Terrornetzwerk El Kaida hat bereits ein Ziel erreicht und die Wahlen in Spanien beeinflusst", meinte Arbeitsminister Roberto Maroni, "Nummer zwei" der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord.

"Wer mit Terror, Gewalt und Tod agiert, in der Hoffnung, die höchsten Werte der westlichen Zivilisation zu vernichten, muss mit der Antwort rechnen, die er verdient. Heute fühlen wir uns alle Spanier und Europäer, wir werden den Terrorismus besiegen", sagte Vizepremier Gianfranco Fini.
(apa, red)

16.3.2004 08:33