Gaza-Streifen: Israelische Soldaten töten 6 Palästinenser
- Neuerlicher Vorstoß im umkämpften Gaza-Streifen
- Al-Aksa entschuldigt sich für irrtümlichen Mordanschlag
Bei einem Militäreinsatz gegen Hamas-Mitglieder im Gazastreifen sind am Sonntag sechs Palästinenser ums Leben gekommen. Die israelische Offensive in dem Gebiet zwischen Israel und Ägypten dauert bereits seit einer Woche an. Die Regierung von Ministerpräsident Ariel Sharon hat einen einseitigen Abzug aus dem Gazastreifen angekündigt. Am Sonntag sollte sich erstmals das Kabinett in Jerusalem mit dem im In- und Ausland umstrittenen Plan befassen.
Die Truppen drangen in der Früh in das Dorf Abassan bei Khan Yunis ein und umstellten ein Gebäude, in dem ein gesuchter Hamas-Aktivist vermutet wurde. Der Mann versuchte nach Angaben eines Militärsprechers zu fliehen und wurde beschossen. Dabei explodierte ein an seinem Körper befestigter Sprengsatz und riss ihm die Beine ab. Seine Frau wurde von Splittern tödlich getroffen. In einem anschließenden Feuergefecht wurden drei weitere Palästinenser getötet, ein vierter erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Nach Angaben von Klinikärzten wurden 16 Palästinenser verletzt. Die israelischen Truppen zerstörten nach eigenen Angaben drei Häuser.
Israelische Regierungsvertreter hatten erklärt, die Armee müsse hart gegen gewalttätige Palästinenser vorgehen, um ein Gefühl des Sieges auf palästinensischer Seite zu verhindern, wenn sich Israel aus dem Gaza-Streifen zurückzieht. Sharons Plan ist beim rechten Flügel seiner Koalitionsregierung auf heftige Kritik gestoßen. Wie Scharon selbst unterstützen die rechten Parteien den Siedlungsbau in den Palästinenser-Gebieten als militärische und politische Maßnahme. Mit dem militärischen Rückzug aus dem Gaza-Streifen kündigte Scharon auch eine Aufgabe fast aller Siedlungen dort an. Seine Partner drohten daraufhin mit einem Sturz der Regierung.
Verletzte bei Demonstration
Auch international ist der Plan von Sharon umstritten, der im Gegensatz zum Friedensfahrplan von USA, UNO, EU und Russland auf eine einseitige Lösung des Nahost-Konflikts statt Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern setzt.
Bei einem Protest gegen die umstrittene Sperranlage im Westjordanland wurden unterdessen mehrere israelische und palästinensische Demonstranten verletzt. Die Armee setzte nach Augenzeugenberichten nord-westlich von Jerusalem Tränengas und mit Hartgummi ummantelte Geschosse gegen mehrere hundert Demonstranten ein, von denen einige Steine warfen. Dabei wurden 20 Palästinenser leicht verletzt. Ein israelischer Demonstrant wurde von einem Geschoss nahe dem Auge getroffen und stationär behandelt.
Im Flüchtlingslager Deheishe bei Bethlehem im südlichen Westjordanland zerstörten Soldaten die Häuser von zwei radikalen Palästinensern. Im Westjordanland wurden demnach außerdem drei palästinensische Aktivisten festgenommen.
Entschuldigung für irrtümlichen Mordanschlag
In einer ungewöhnlichen Erklärung entschuldigten sich die palästinensischen Al-Aksa-Brigaden am Samstag für den irrtümlichen Mordanschlag auf einen arabischen Studenten in einem jüdischen Stadtteil von Jerusalem. Der Vater des 21-Jährigen, der prominente arabische Anwalt Elias Khuri, sagte am Sonntag im israelischen Armeerundfunk: "Der Terrorismus ist blind. Er unterscheidet nicht zwischen Juden und Arabern oder zwischen Gut und Böse." (apa/red)
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