Tränenreicher Abscheid: Schröder sagte leise Ade
- Berliner Parteitag: Müntefering wird neuer SPD-Chef
- PLUS: Müntefering - die "Seele der Partei"
Mit einer bewegenden Rede und Tränen in den Augen hat Bundeskanzler Gerhard Schröder vom SPD-Parteivorsitz Abschied genommen. Auf dem Sonderparteitag in Berlin bedankte sich Schröder bei seinen Genossen und seiner Frau Doris für die Unterstützung in den vergangenen fünf Jahren. Auf dem Sonderparteitag will die deutsche SPD Franz Müntefering zum neuen Vorsitzenden wählen.
Bevor er seine Gattin direkt ansprach, geriet der Kanzler ins Stocken und rang mit den Tränen. Er habe das Amt "in verdammt schwierigen Zeiten" ausgeübt, "gestützt auf die, die ich liebe und die mich lieben". Der Parteitag spendete dem Kanzler vier Minuten stehende Ovationen.
"Mir fällt der Abschied vom Vorsitz unserer Partei nicht leicht", betonte Schröder. "Ich war stolz darauf, Vorsitzender dieser größten ältesten demokratischen Partei Deutschlands sein zu dürfen." Es sei eine große Ehre gewesen, in der Nachfolge von August Bebel und Willy Brandt zu stehen. Er habe das Amt so gut auszufüllen versucht, "wie ich es konnte". Schröder räumte auch ein: "Ich war für viele kein leichter Vorsitzender."
Die Aufgaben als Kanzler erforderten "schon die ganze Kraft eines Menschen", sagte Schröder. Deshalb sei eine "neue Mannschaftsaufstellung" beschlossen worden. Der neue Parteichef Franz Müntefering sei "der Beste", den die SPD bekommen könne. Dieser Wechsel werde "zu mehr Geschlossenheit und als Folge dessen zu mehr Stärke führen".
Ein neuer "General" für die SPD
Außerdem wollen die 480 Delegierten im Berliner Estrel-Hotel einen neuen Generalsekretär wählen. Olaf Scholz hatte zeitgleich mit Schröders Rücktrittsankündigung das Amt niedergelegt. Auf Vorschlag von Müntefering soll der Bundestagsabgeordnete und Schröder-Vertraute Klaus Uwe Benneter neuer "General" der SPD werden. Zum Abschluss des auf nur knapp fünf Stunden angesetzten Sonderparteitags wollen die Delegierten auch noch zwei richtungweisende Anträge verabschieden. Der eine ist ein innovationspolitisches Manifest für Deutschland. Mit dem zweiten wollen die Sozialdemokraten die Rolle und Ziele der SPD in diesem und dem nächsten Jahr definieren. (apa)
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