Samstag, 20. März 2004

Bushs Ex-Berater: USA wollten Irak nach 11.September bombardieren

  • "Ich denke, sie wollten glauben, dass es eine Verbindung gab"
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Die US-Regierung soll bereits unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 einen Angriff auf den Irak erwogen haben. Der Ex-Berater von US-Präsident George W. Bush für Terrorbekämpfung im Internet, Richard Clarke, sagte dem US-Sender CBS in einem Interview, er und andere Experten hätten direkt nach den Anschlägen Bush und Kabinettsmitglieder wie Verteidigungsminister Donald Rumsfeld beraten. "Rumsfeld sagte, wir müssen den Irak bombardieren", sagte Clarke.

"Wir alle sagten, 'aber nein, nein, die El Kaida ist in Afghanistan'. Und Rumsfeld sagte: 'Es gibt keine guten Ziele in Afghanistan und es gibt viele gute Ziele im Irak.'"

Clarke hatte vier Präsidenten als Berater gedient, bevor Teile seiner Abteilung für Cybersicherheit in die von Bush neu geschaffene Heimatschutzbehörde eingegliedert wurden und er Februar 2003 seinen Dienst beendete. Für die Anschläge am 11. September 2001 wird das Terrornetzwerk El-Kaida von Osama bin Laden verantwortlich gemacht, das zu diesem Zeitpunkt Unterschlupf bei der islamistischen Taliban-Miliz in Afghanistan fand.

"Sie haben am 11.9. über den Irak gesprochen", sagte Clarke CBS. "Sie haben am 12.9 darüber gesprochen." Er habe sich gewundert, dass die Regierung sofort an den Irak gedacht habe, statt an die El Kaida und Bin Laden. "Ich denke, sie wollten glauben, dass es eine Verbindung gab", sagte Clarke. "Aber die CIA saß da, die FBI saß da, ich saß da, und wir sagten: Wir haben seit Jahren diese Frage im Blick. Seit Jahren beobachten wir das und es gibt einfach keine Verbindung."

Einmarsch in den Irak lange geplant
Im Jänner hatte CBS ein Interview mit dem ehemaligen US-Finanzminister Paul O'Neill ausgestrahlt, in dem auch dieser von einem frühen Plan der US-Regierung für einen Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein gesprochen hatte.

Bush habe bereits bei Amtsantritt die Absicht gehabt, in den Irak einzumarschieren, hatte O'Neill erklärt. Er betonte zudem, keine Belege für die Existenz von irakischen Massenvernichtungswaffen gesehen zu haben, die Hauptbegründung der USA für den Kriegsbeginn. O'Neill war im Dezember 2002 von seinem Posten entlassen worden. Bisher wurden keine Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt.

Ein Jahr nach dem Beginn des Irak-Kriegs ist dieser zu einem der wichtigsten Themen im US-Präsidentschaftswahlkampf geworden.

(apa/red)

20.3.2004 08:34