Freitag, 19. März 2004

Terrornetzwerk: Verbindung zwischen London und Madrid vermutet

  • Hauptverdächtiger der Madrid-Attentate hielt sich in Großbritannien auf
  • Finanzielle und logistische Unterstützung durch Londoner Islamisten

Nach Angaben des Londoner Polizeichefs, Sir John Stevens, gibt es "definitive Verbindungen" zwischen den Anschlägen von Madrid und islamischen Terroristen in London. Das berichtete die Tageszeitung "The Independent" am Freitag. Nach früheren Presseberichten war der in Spanien festgenommene Hauptverdächtige, Jamal Zougam, mindestens einmal in London.

Laut "Independent" steht bei den Ermittlungen die Frage im Mittelpunkt, ob in London ansässige nordafrikanische islamische Extremisten die Täter von Madrid finanziell und logistisch unterstützt haben. Es sei bekannt, dass Zougam Kontakt zu einer "Anzahl von in London lebenden Nordafrikanern" aufgenommen habe, schrieb die Zeitung.

In Madrid deuten indes immer mehr Spuren auf Zougam als Drahtzieher des Blutbades hin. In dem Telefongeschäft des 30-Jährigen stellten die Ermittler nach Presseberichten vom Freitag das abgebrochene Gehäusestück eines Handys sicher, das zur Zündung einer der Bomben dienen sollte. Der Sprengsatz war aber nicht detoniert und konnte von der Polizei entschärft werden.

Am Nationalen Gerichtshof in Madrid ging am Freitag das Verhör der ersten fünf Festgenommenen weiter, unter ihnen Zougam, zwei weitere Marokkaner und zwei Inder. Insgesamt sind seit den Anschlägen elf Verdächtige gefasst worden, darunter sieben Marokkaner. Ein festgenommener Spanier wird verdächtigt, den benutzten Sprengstoff beschafft zu haben.

Die festgenommenen Marokkaner sollen einer islamischen Terrorzelle mit Verbindungen zur Al Kaida angehören, der auch die Selbstmordanschläge von Mai 2003 mit 45 Toten in Casablanca angelastet werden. Die spanische Zelle soll auch die Attentate des 11. September in den USA mit vorbereitet haben.

(apa)

19.3.2004 14:28