Nach Madrid-Terror: Weitere fünf Verdächtige verhaftet
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Bei der Fahndung nach den Attentätern von Madrid hat die spanische Polizei vier weitere Nordafrikaner sowie einen Spanier festgenommen. Drei der Verdächtigen wurden in Alcala de Henares aufgegriffen. Von der östlich von Madrid gelegenen Universitätsstadt waren die Züge abgefahren, in denen am Donnerstag voriger Woche zehn Bomben detonierten.
Der Spanier wurde in Oviedo im Norden des Landes gefasst. Einer der Verdächtigen könnte in die Anschläge vom Mai 2003 mit 45 Toten im marokkanischen Casablanca verwickelt gewesen sein, hieß es. Damit stieg die Zahl der Festgenommenen nach den Madrid-Attentaten auf insgesamt elf - acht Nordafrikaner, zwei Inder und ein Spanier.
Eine Woche nach den Anschlägen mit über 200 Toten hat die spanische Regierung Vorwürfe der Presse-Manipulation zurückgewiesen. "Die Regierung hat nicht gelogen, sie hat nicht manipuliert, und sie hat keine Informationen zurückgehalten", erklärte Regierungssprecher Eduardo Zaplana am Donnerstag in Madrid.
Die spanische Regierung will anhand von Geheimdienstpapieren nachweisen, dass sie die Öffentlichkeit nach bestem Wissen und Gewissen unterrichtet habe. Dazu gab das Kabinett Unterlagen des Geheimdiensts CNI für die Öffentlichkeit frei. Aus den Papieren gehe hervor, dass der CNI mehrere Stunden nach den Anschlägen von einer Täterschaft der baskischen Terror-Organisation ETA ausgegangen sei, betonte Innenminister Angel Acebes.
Der Regierung von Ministerpräsident Jose Maria Aznar war unter anderem vorgeworfen worden, wider besseren Wissens die ETA für die Attentate verantwortlich gemacht und die Presse systematisch manipuliert zu haben. Aznar hatte persönlich die Chefredakteure großer Zeitungen angerufen und erklärt, es bestehe kein Zweifel, dass die ETA hinter den Attentaten stecke.
Der Regierungssprecher erklärte, diese Anrufe seien eine "Übung der Transparenz" gewesen. Die Vorwürfe bezeichnete er als "Verleumdungskampagne": "Wir werden es nicht akzeptieren, als Lügner hingestellt zu werden."
Die islamistische Terrorgruppe, die die Anschläge geplant haben soll, beschloss nach Informationen arabischer Zeitungen, vorerst keine Attentate mehr in Europa zu verüben. Wie die in London erscheinenden arabischen Zeitungen "Al-Hayat" und "Al-Quds Al-Arabi" berichteten, erhielten beide Redaktionen am Vortag einen Brief, der von den Abu-Hafs-El-Masri-Brigaden stammen soll.
Die Gruppe wird von einigen Experten dem Terrornetzwerk El Kaida zugerechnet und hatte nach den Anschlägen schon Bekennerschreiben an arabische Zeitungen geschickt. Bei beiden Schreiben gibt es jedoch bisher keinen Beweis für ihre Echtheit. Der in Großbritannien lebende ägyptische Islamist Hani el Sabai sagte "Al-Hayat", bisher gebe es auch noch keinen Beweis für die Zugehörigkeit der Abu-Hafs-El-Masri- Brigaden zu El Kaida. Diese könne nur durch eine Botschaft des El-Kaida-Anführers Osama bin Laden oder seines Stellvertreters Eiman el Sawahiri bewiesen werden.
Unter dem Eindruck der Anschläge von Madrid will sich die Europäische Union besser gegen Terroranschläge rüsten und dabei vor allem bestehende Instrumente im Kampf gegen den Terror besser nutzen. Das Konzept ist Thema einer Sondersitzung der EU-Innenminister am Freitag. Dabei soll auch über eine Solidaritätsklausel im Fall eines Terrorangriffs auf einen Mitgliedstaat sowie die Einsetzung eines Koordinators für Sicherheitsfragen beraten werden. (apa)
