Neue Unruhen im Kosovo: NATO verstärkt Truppen
- 31 Tote und 500 Verletzte - Kostunica spricht von "Pogrom"
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Krawalle und Tote im Kosovo
·US-Soldaten
NATO verstärkt Truppen im Kosovo
·Hintergrund
Kosovo: Konflikt Serben - Albanern
Angesichts der ausufernden Gewalt zwischen Albanern und Serben im Kosovo hat die NATO ihre Truppen in der Provinz verstärkt. 350 in Bosnien stationierte Soldaten seien in die Unruheregion entsandt worden, teilte das Bündnis am Donnerstag in Brüssel mit. Großbritannien kündigte die Entsendung von 750 zusätzlichen Soldaten an. Die Ausschreitungen zwischen Serben und Albanern hatten sich am Mittwochabend auf sämtliche serbischen Städte des Kosovos ausgeweitet. 31 Menschen wurden getötet, etwa 500 verletzt.
Insgesamt seien drei Kompanien der in Bosnien stationierten SFOR-Truppen ins Kosovo abbeordert worden, sagte eine NATO-Sprecherin. Dabei handle es sich um Soldaten aus Italien, Großbritannien und den USA. Der Kommandant der Kosovo-Truppe KFOR, Holger Kammerhoff, ermächtige die Friedenstruppen, im Notfall Gewalt anzuwenden.
Angesichts der Unruhen im Kosovo erwägt die NATO, ihre Truppen in der Provinz um insgesamt bis zu 1000 Soldaten aufzustocken. Die Entscheidung darüber werde in den kommenden Tagen fallen, verlautete am Donnerstagabend in Brüssel. In der Zahl von 1000 zusätzlichen Soldaten seien die von London angekündigten zusätzlichen 750 Briten enthalten, hieß es weiter in Brüssel.
In Obilic nahe der Provinzhauptstadt Pristina wurden am Donnerstag eine orthodoxe Kirche und mehrere Häuser von Serben in Brand gesteckt. UN-Sprecher Malcolm Ashby sagte, die internationalen Kräfte rechneten "an manchen Orten mit dem Schlimmsten". Die KFOR und die UN-Polizei im Kosovo hätten deshalb in der Nacht Serben aus Pristina und Umgebung "an sichere Orte" gebracht. Der Flughafen von Pristina wurde für den Flugverkehr geschlossen.
Bei Caglavica setzten Soldaten und Polizei Tränengas ein, um wütende Albaner vor dem überwiegend von Serben bewohnten Dorf zu vertreiben. Mehrere Demonstranten sei dabei verletzt worden, sagte ein Sprecher der UN-Polizei. Nach Angaben des bosnischen Innenministeriums wurde die Polizei in den serbischen Gebieten von Bosnien-Herzegowina in Alarmbereitschaft versetzt.
Die blutigen Unruhen zwischen Serben und Albanern im Kosovo hatten sich am Mittwoch am Tod von zwei oder drei albanischen Kindern entzündet. Die Kinder waren am Dienstagabend in einem Fluss ertrunken. Nach albanischen Angaben wurden sie von Serben in den Fluss gestoßen. Von der ethnisch geteilten Stadt Kosovska Mitrovica und von Caglavica aus griffen die Ausschreitungen am Mittwochabend auf die gesamte Provinz über. Nach UN-Angaben wurden dabei 22 Menschen getötet und etwa 500 verletzt, darunter auch 61 Polizisten und 35 Soldaten der NATO-geführten Kosovo-Truppe.
Die internationale Gemeinschaft zeigte sich besorgt über die möglichen Auswirkungen des Konfliktes für den gesamten Balkan. Russland unterstützte die Forderung Serbien-Montenegros nach einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats. Die Zusammenstöße könnten die gesamte Region destabilisieren, warnte das russische Außenministerium in Moskau. UN-Generalsekretär Kofi Annan rief zum Ende der Gewalt auf.
Frankreich verurteilte die ethnischen Auseinandersetzungen im Kosovo scharf und rief die Parteien zum friedlichen Zusammenleben auf. Außenamtssprecherin Cecile Pozzo di Borgo erklärte ferner, die "Angriffe gegen UNMIK und KFOR sind umso inakzeptabler, als diese im Dienste des Friedens, der Stabilisierung und des Wiederaufbaus tätig sind".
In Serbien gingen Tausende auf die Straße, um gegen die Kosovo-Albaner zu demonstrieren. In der drittgrößten Stadt, Nis, skandierten etwa 5000 Menschen Sprüche wie "Schneidet den Albanern die Kehle durch". Der serbische Regierungschef Vojislav Kostunica bezeichnete die Unruhen nach einer Krisensitzung des Kabinetts als "Versuch eines Pogroms und ethnischer Säuberungen". Der KFOR warf er vor, nicht "angemessen" auf die Gewalt zu reagieren. Nur eine "territoriale Autonomie" für die Serben im Kosovo könne deren Sicherheit garantieren.
Die politischen Führer der drei führenden albanischen politischen Parteien, der Demokratischen Liga des Kosovo, der Demokratischen Partei des Kosovo und der Allianz für die Zukunft des Kosovo, stellten bei der Sitzung des Provinzparlamentes am Donnerstag den Antrag, die Unabhängigkeit der südserbischen Provinz zu verkünden. Dies sei der einzige Weg, die Situation zu beruhigen, teilten die drei politischen Parteien laut Medienberichten mit.
Die zu Serbien gehörende Provinz Kosovo steht seit dem Ende des NATO-Kriegs gegen Jugoslawien 1999 unter UN-Verwaltung. Etwa 27.000 KFOR-Soldaten sind dort stationiert. (apa/red)
