Aznar im Kreuzfeuer: Scheidender Staatschef drängte zu Berichten über ETA-Täterschaft
- Medien werfen Regierung vor, sie habe versucht, Einfluß zu nehmen
- Zeitungs-Chefredakteur: Aznar habe "vorsichtig gewarnt, mich nicht zu irren"
·Schulterschluss
Basken hoffen auf Dialog mit Madrid
·Identifiziert!
Spanien kennt 6 der Attentäter
·Abu Hazim
El-Kaida-Boss von Saudis erschossen
·Irak-Abzug
1.300 Spanier ab 30. Juni zuhause?
·Italien bleibt
Rom schließt Irak- Rückzug aus
·Afghanistan
Deutsche ziehen sich nicht zurück
·Alarmstufe rot
Sprengstoffhunde am Wiener Airport!
Die scheidende spanische Regierung gerät zunehmend in die Kritik, die Medien zu einer Berichterstattung über die baskische Terrororganisation ETA als Drahtzieher der Anschläge von Madrid gedrängt zu haben. Der Chefredakteur der Tageszeitung "EL Periodico", Antonio Franco, schrieb am Dienstag, Premier Aznar habe ihn vor der Wahl angerufen und von der Täterschaft der ETA zu überzeugen versucht.
Auch andere Medien warfen der Regierung vor, sie habe versucht, die Berichterstattung zu beeinflussen. Bei zwei Gelegenheiten habe Aznar ihn "vorsichtig gewarnt, mich nicht zu irren. Die ETA sei verantwortlich", schrieb Franco. Auch die linke Tageszeitung "El Pais" berichtete, sie habe Anrufe von Aznar erhalten, der auf eine Täterschaft der ETA verwiesen habe.
Am Montag hatte Innenminister Acebes die Informationspolitik der Regierung verteidigt. "Wir haben dem spanischen Volk stets die Wahrheit gesagt", sagte er. Die Regierung hatte unmittelbar nach den Anschlägen auf vier Pendlerzüge am Donnerstag, bei denen 201 Menschen getötet wurden, die ETA beschuldigt.
Journalisten der spanischen Nachrichtenagentur EFE fordern indes den Rücktritt ihres Chefs, weil er nach den Terroranschlägen von Madrid eine objektive Berichterstattung unterbunden habe. Nachrichtenchef Miguel Platon habe den Mitarbeitern "ein System der Manipulation und Zensur" auferlegt, hieß es in einer Erklärung von Journalistenvertretern der EFE. Dies habe darauf gezielt, der konservativen Regierung von Jose Maria Aznar zur Wiederwahl zu verhelfen.
Die Journalisten warfen Platon vor, er habe Berichte verboten, nach denen sich die Ermittlungen zu den Anschlägen zunehmend auf das El-Kaida-Netzwerk und weniger auf die Basken-Organisation ETA konzentrierten. Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass Moslem- Extremisten für die Anschläge verantwortlich sind.
(apa)
