Dienstag, 16. März 2004

Nach Bomben-Attentaten: Israelische Luftwaffe greift Gaza an

  • Augenzeugen: Mindestens vier Tote und zahlreiche Verletzte
  • Offenbar Beginn der Militäroffensive wegen Ashdod-Anschlag

Als Reaktion auf den doppelten Selbstmordanschlag vom Sonntag hat Israel seine Militäraktionen im Gazastreifen ausgeweitet. Mindestens vier Tote waren zu beklagen. In der Nacht auf Mittwoch wurden zwei Palästinenser getötet, als bei einem Luftangriff auf das Flüchtlingslager Rafah im Süden des Gazastreifens eine Rakete in einem Haus einschlug.

Wenige Stunden zuvor waren bei einem Luftangriff auf die Stadt Gaza mindestens zwei Palästinenser gestorben. Die israelische Armee sprach von Einsätzen gegen Waffenschmuggler und die radikalislamische Organisation Hamas. Die US-Regierung zeigte Verständnis.

Israel: Angriff gegen Waffen-Tunnel
Ein israelischer Militärsprecher sagte, der Angriff in Rafah habe sich gezielt gegen "terroristische Infrakstruktur" gerichtet. Vor allem gehe es um Tunnel unter der ägyptischen Grenze, die dem Waffenschmuggel dienten.

Der Angriff auf die Stadt Gaza war bereits der zweite binnen 48 Stunden. Mindestens zwei Menschen wurden nach Angaben von Augenzeugen und Sanitätern bei dem Angriff auf ein Haus im Norden der Stadt getötet. Elf weitere seien verletzt worden, einige von ihnen schwer. Bei den Toten handelte es sich nach Angaben der radikalen Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad um zwei ihrer Aktivisten.

Vergeltung für Ashdod-Anschlag
Zuletzt hatte die israelische Luftwaffe wenige Stunden nach den Selbstmordanschlägen von Aschdod mehrere Raketen auf Werkstätten in Gaza abgefeuert, in denen die Armee versteckte Waffenproduktionsstätten vermutete.

Bei dem Anschlag in Ashdod hatten zwei Selbstmordattentäter aus dem Gaza-Streifen am Sonntag zehn Israelis getötet. Die Tat im Hafen, in dem auch Tanks mit hochgiftigen Chemikalien lagern, hatte auf israelischer Seite erneut Warnungen vor einem "Mega-Anschlag" militanter Palästinenser laut werden lassen. Bei einer Beratung zwischen dem israelischen Verteidigungsminister Shaul Mofaz und hochrangigen Militärs wurde nach Medienberichten vom Dienstag ein Gegenschlag "nie da gewesenen Ausmaßes" im Gaza-Streifen erörtert. Nach palästinensischen Angaben sind viele radikal-islamische Führer nach dem Anschlag in Ashdod in den Untergrund abgetaucht.

(apa)

16.3.2004 17:19