Montag, 15. März 2004

Frankreich im Visier: Terror-Drohungen gegen Paris!

  • Von den "Diener Allahs, des Mächtigen und Weisen"
  • Chirac zum Terror: Frankreich ist nicht sicher vor Anschlägen

Eine Gruppe radikaler Islamisten droht mit Anschlägen auf Frankreich sowie französische Einrichtungen im Ausland. Wie das französische Justizministerium am Dienstagabend bekannt gab, nahm die Pariser Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die bisher unbekannte Gruppe auf, die sich "Die Diener Allahs, des Mächtigen und Weisen" nennt und entsprechende Drohungen an Premierminister Jean-Pierre Raffarin richtete. Innenminister Nicolas Sarkozy sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Drohungen würden derzeit noch geprüft.

Im Gegensatz zu AFP berichteten die Agenturen AP und dpa in Berufung auf die Tageszeitung "Le Parisien" von einem "Kommando Mowsar Barajew". So hieß der Anführer des Tschetschenenkommandos, das im Oktober 2002 in einem Moskauer Theater 1.000 Geiseln genommen hatte. Er war bei der Geiselbefreiung getötet worden. Die Staatsanwaltschaft Paris leitete ein Ermittlungsverfahren ein, die Inlandsgeheimdienste DST und RG übernahmen den Fall.

"Diener Allahs" bislang unbekannt
Bisher sei es nicht möglich, das Dokument näher einzuschätzen. "Die Diener Allahs, des Mächtigen und Weisen" seien nicht bei den Geheimdiensten bekannt, hieß es in Kreisen der Ermittler. Der Drohbrief, der äußerst ernst genommen werde, traf demnach Dienstagfrüh beim "Parisien" ein. Anti-Terror-Fahnder der Kriminalpolizei suchten die Redaktion auf.

Die Gruppe begründet ihre Anschlagsdrohungen gegen Frankreich mit dem kommenden Kopftuch-Verbot an den staatlichen französischen Schulen. Das sagte Christian de Villeneuve, der Redaktionschef bei "Le Parisien". In dem Drohbrief wird demnach ausdrücklich auf das Kopftuch-Gesetz Bezug genommen, das am 10. Februar von der Nationalversammlung und am 3. März auch vom Senat verabschiedet worden war. Es soll im kommenden Schuljahr in Kraft treten. In dem Brief heiße es, obwohl Frankreich nicht am Irak-Krieg teilgenommen habe, dürfe es sich nicht sicher fühlen. Mit dem Kopftuch-Verbot in den Schulen habe sich das Land auf die Liste der verbissensten Gegner des Islams gesetzt.

Chirac: Frankreich nicht sicher
Staatspräsident Jacques Chirac hatte am Nachmittag nach einem Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder erklärt, Frankreich sei nicht besonders bedroht, aber wie alle Demokratien nicht vor dem Terrorismus sicher. Die Sicherheitsmaßnahmen waren wie in anderen europäischen Ländern auch nach den Attentaten von Madrid erhöht worden.

Terrorismusbekämpfung soll im Mittelpunkt des EU-Gipfels am 25. und 26. März in Brüssel stehen. Nach den Anschlägen von Madrid hatten die britischen Behörden vor Attentaten in Großbritannien gewarnt. Portugal als Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft verschärfte seine Sicherheitsvorkehrungen.

(apa/red)

15.3.2004 22:57