Sonntag, 21. März 2004

Islamistischer Terror: Österreich gilt als Anlaufpunkt!

  • "profil": Drahtzieher von 9/11 soll durch Österreich gereist sein
  • Hört der Geheimdienst bei Telefongesprächen heimlich mit?

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "profil" ist Österreich Anlaufpunkt für islamistische Extremisten. "Es gibt Informationen, wonach das Land ein Zentrum für militante Islamisten ist", wird der deutsche Terrorexperte Rolf Tophoven zitiert.

Der als Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001 geltende Jemenit Ramzi Binalshibh soll 1996 durch Österreich nach Deutschland gereist sein, ohne dass den österreichischen Behörden Erkenntnisse darüber vorlägen. Innenministeriums-Sprecher Rudolf Gollia wies die Vorwürfe gegenüber der APA zurück.

Die Behörden würden die islamistische Szene in Österreich "nicht erst seit den Terroranschlägen des 11. September 2001" beobachten, betonte Gollia. Es gebe keine Hinweise, dass Österreich Ruhe- oder Planungsraum für Terroristen sei, dass in Österreich Terroranschläge geplant worden seien oder dass Österreich selbst zum Ziel solcher Anschläge werden könnte.

Die Information über die Einreise von Binalshibh aus Bosnien- Herzegowina beruhe auf der bisher noch nicht verifizierten Aussage einer Kronzeugin in Deutschland, sagte Gollia. Zudem hätten die österreichischen Behörden dem Jemeniten damals die Einreise nicht verweigern können, da er wohl einen gültigen Reisepass gehabt habe. "Es gab keine Veranlassung zu fragen, ob er fünf Jahre später einen Anschlag plant", so Gollia.

Binalshibh, der im Jahr 1998 in Deutschland untergetaucht und die Hamburger Terrorzelle des mutmaßlichen Flugzeugattentäters Mohammed Atta koordiniert haben soll, befindet sich derzeit in US-Gewahrsam.

Hört der Geheimdienst heimlich mit?
Zur "profil"-Information, dass ein hochrangiges Mitglied der afghanischen Taliban in einer Wiener Moschee Anhänger für das Terrornetzwerk El Kaida habe anwerben wollen, sagte Gollia, dass der Islam in Österreich eine anerkannte Religionsgemeinschaft ist. "So lange kein strafrechtlich relevantes Handeln vorliegt, gilt die Religionsfreiheit."

Gerüchte, wonach US-Geheimdienste illegal in Österreich Telefongespräche abhören, wollte Gollia weder bestätigen noch dementieren. Innenminister Strasser hatte dazu betont, dass Österreich so etwas "nicht dulden" könne. (apa/red)

21.3.2004 12:41