Fokker-Zwischenfall: AUA-Notlandung war nicht erster Defekt
- "profil": Defekte Eisschutzleisten sorgten schon früher für Probleme
- Triebwerkshersteller Rolls-Royce muss hunderte Turbinen adaptieren
Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, war die Notlandung der AUA-Maschine "Wiener Neustadt" von Typ Fokker 70 Anfang Jänner nicht der erste Luftzwischenfall, bei dem defekte Eisschutzleisten im Spiel waren. Bereits im Oktober 2003 hatten sich am Triebwerk einer Fokker 100, die allerdings nicht von einer österreichischen Airline geflogen wird, die Eisschutzpaneele gelöst.
Nun wird Triebswerkshersteller Rolls Royce Deutschland von der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) im Rahmen einer Sofortmaßnahme aufgefordert, hunderte Triebwerke so zu adaptieren, "dass es auch bei völligem oder teilweisen Versagen des Bauteiles oder seiner Befestigung nicht zu einem Ausfall oder zur erheblichen Leistungseinschränkung (...) kommen kann." Das geht aus dem ersten Zwischenbericht der BFU zur AUA-Notlandung hervor, der "profil" vorliegt.
Zudem geht das deutsche Luftfahrt-Bundesamt (LBA) davon aus, dass sich der Eisschutz nicht nur bei der bei der "Wiener Neustadt" eingebauten Triebwerksserie Tay 620-15 auflösen kann, sondern auch bei Turbinen der Typen Tay 611-8, 650-15 und 651-54. Somit sind nicht nur Maschinen der Type Fokker 70 betroffen, sondern auch Fokker 100, Gulfstream-Jets und Boeing 727. Nach Angaben von Rolls-Royce Deutschland sind derzeit weltweit mehr als 750 Flugzeuge mit Tay-Antrieb unterwegs. Rolls-Royce Deutschland wollte gegenüber "profil" keine Stellungnahme dazu abgeben.
Die Piloten der AUA-Maschine dürfte nach aktuellem Stand der Ermittlungen keine Verantwortung an der Beinahe-Katastrophe treffen. Ein Ermittler zur "profil": "In Richtung menschliches Versagen wird derzeit nicht ermittelt."
