Rassismus in Österreich: Mehr Übergriffe vermerkt
- Insgesamt 650 einschlägige Vorfälle wurden gemeldet
- "Tiefpunkt des Jahres": Der Fall Cheibani Wague
Der Anti-Rassismus-Verein Zara hat am Freitag seinen jährlichen Report präsentiert. Demnach gab es 2003 etwa eine Verdoppelung einschlägiger Vorfälle, mit denen die Organisation konfrontiert war. Insgesamt 650 Menschen wandten sich an Zara, der größere Teil als Zeugen (72 Prozent).
Die meisten Beschwerden betrafen den öffentlichen Raum oder Vertreter von Behörden (je 44 Prozent). Der Rest verteilt sich im Wesentlichen auf Arbeit (21 Prozent), Wohnen (12 Prozent) und Polizei (9 Prozent).
Als "Tiefpunkt des Jahres" wird von Zara in den rund 140 angeführten rassistischen Vorkommnissen der Fall Cheibani Wague angeführt. Der Mauretanier war in Folge seiner Festnahme im "Afrikadorf" im Wiener Stadtpark zu Tode gekommen, nachdem er von Exekutivbeamten fixiert und von einem Notarzt mit einer Injektion behandelt worden war. Auf einem Video wurde sichtbar, dass einige Sanitäter sowie eine Polizistin auf Wague standen, um ihn ruhig zu stellen.
Aber auch diverse andere Fälle sorgten für Aufsehen. So wurde etwa ein Flüchtling aus dem Sudan in der Silvesternacht 2003 am Lienzer Bahnhof brutal unter rassistischen Beschimpfungen niedergeschlagen und schwer verletzt.
Es sind jedoch nicht nur Gewaltverbrechen, die Ausländer im vergangenen Jahr in Österreich betroffen haben. Auch im Alltag sind rassistische Übergriffe gang und gäbe. So wurden beispielsweise zwei junge Ausländer vom Straßenbahnfahrer des Waggons verwiesen, obwohl sie selbst - bezeugt - die Opfer rhetorischer Angriffe von Skinheads waren.
Im Burgenland warb eine Disco mit dem Verweis, dass in ihr keine Ausländer erwünscht sind. Und ein Tanzlokal in Judenau wies Bürger aus dem ehemaligen Jugoslawien mit der Begründung ab, dass heute wieder "Ausländerverbot" sei.
(apa)
