Dienstag, 16. März 2004

Kritik nach "Übungs-Razzia": Justiz-Attacke in Frauengefängnis Schwarzau

  • Niederösterreich: Maskierte Beamte verwüsteten Zellen, Frauen mussten sich ausziehen

Eine vom Justizministerium zu Übungszwecken genehmigte Razzia der Justizwache im Frauengefängnis Schwarzau in Niederösterreich erregt heftige Kritik. Maskierte Beamte hätten Zellen verwüstet, Frauen mussten sich nackt ausziehen.

Etwa 70 Beamte der Alarmabteilung der Justizwache, so die Wochenzeitung, stürmen ins Frauengefängnis Schwarzau. Während die Frauen mit erhobenen Händen und Gesicht zur Wand am Gang gestanden seien, sei ihre Wäsche am Boden verstreut und darauf herumgetrampelt worden, berichtet der "Falter".

"Am Schluss werden die Frauen in Zweiergruppen in die Anstaltskapelle abgeführt und von weiblichen Beamten angewiesen, sich komplett zu entkleiden. 'Ich musste mich völlig nackt neben einer Mitgefangenen bücken, die Beamtinnen haben mir in die Vagina geschaut, ob ich mir Drogen eingeführt hatte'", wurde eine Insassin zitiert.

Anstaltspfarrer Georg Öttl hat dem Bericht zufolge beim Anstaltsleiter Beschwerde eingelegt, die SPÖ-Abgeordnete Petra Bayr habe wegen der "menschenverachtenden Aktion" eine parlamentarische Anfrage an Justizminister Dieter Böhmdorfer (FPÖ) gestellt. Heinz Patzelt, Chef der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, spricht von Verletzung der Menschenwürde.

Michael Neider, Sektionschef im Justizministerium, bestätigte laut "Falter", dass das Ministerium die Übungsrazzia angeordnet hatte. Alles sei rechtmäßig abgelaufen. Dass Eigentum der Frauen beschädigt worden sei, lasse sich "nicht verhindern. Wir haben den Frauen die geringfügigen Schäden aber ersetzt". Zur "Körperhöhlenkontrolle" sagte der Sektionschef laut "Falter": "Die Untersuchung hat nicht in der Kapelle, sondern in einem ungeweihten Vorraum stattgefunden. Die Menschenwürde wurde gewahrt."(apa)

16.3.2004 13:54