Spam-Problem: Bezahl-E-Mails als Lösung angedacht
- Gegner der Idee sehen die Offenheit des Internets bedroht
- 2003 wurden rund 6 Trillionen (!) Spam-Nachrichten verschickt
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Die Idee, E-Mails ähnlich wie Briefe kostenpflichtig zu machen, um die lästige Spam-Flut einzudämmen, wird in letzter Zeit immer häufiger diskutiert. Jüngster prominenter Unterstützer dieser Idee ist Microsoft-Vorsitzender Bill Gates. Kritiker sehen aber die Offenheit des Internets und seinen demokratischen Charakter bedroht.
Wenn jede E-Mail einen Cent - oder auch weniger - kosten würde, dann würden das normale Nutzer, die ein paar Nachrichten am Tag verschicken, wohl kaum in ihrem Portemonnaie merken, meinen die Befürworter der Idee, Spammer, die wahllos Millionen E-Mails auf einen Schlag versenden, bekämen die finanzielle Belastung dagegen sofort zu spüren, so ihr Argument.
Die Idee einer Art Briefmarke wird schon seit Jahren diskutiert, Bill Gates griff sie zuletzt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos auf. Ein Vorschlag von Microsoft sähe vor, dass man statt einen Cent zu bezahlen vielleicht zehn Sekunden der Rechenzeit seines Computers zur Verfügung stellt, zum Beispiel zur Lösung eines mathematischen Puzzles. Damit würde der Nutzer vor allem zeigen, dass er es "ernst meint" mit der E-Mail.
Aber es gibt auch kommerzielle Ideen. Die Firma Goodmail ist zum Beispiel im Gespräch mit Yahoo und anderen E-Mail-Anbietern. Sie möchte von Werbe-Versendern einen Cent pro E-Mail kassieren, damit diese an den Filtern vorbeigeleitet und nicht als Junk (Müll) klassifiziert wird.
Vint Cerf, einer der Väter des Internets, ist überzeugt, dass Spammer immer einen Weg finden werden, jede Form der kostenlosen Nutzung der E-Mail auszunutzen. "Ich bin immer wieder überrascht, wie erfindungsreich sie sind", sagt Cerf.
Auch stößt die Idee des Portos auf E-Mails schnell an regionale Grenzen. In einem Land kann vielleicht noch abgerechnet werden, aber was ist mit E-Mails aus dem Ausland? In Entwicklungsländern würde zudem selbst jeder einzelne Cent zu einer Belastung. Viele Menschen dort könnten dann gar keine E-Mails mehr verschicken. "Wir dürfen nicht nur an die halbe Milliarde Menschen denken, die heute E-Mail nutzen", sagt John Patrick, der früher bei IBM Vizepräsident für Internet-Technik war. "Da sind noch fünf bis sechs Milliarden, die das bald machen wollen."
Es dürfte außerdem schwer werden, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie für etwas bezahlen sollen, was es bisher kostenlos gab. Kritiker des Bezahlsystems sehen in neuen Techniken wie einer besseren Bestätigung der Absenderadressen und rechtlichen Schritten gegen Spammer bessere Wege. "In den 90er Jahren gab es schon E-Mail-Systeme, die zehn Cent pro E-Mail verlangten", sagt John Levine, ein Anti-Spam-Aktivist. "Sie sind alle tot." (APA/Red.)
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