Mittwoch, 10. März 2004

Nina Proll: Von der Klosterschülerin zum Vamp

  • Wie „Barbarella“ zu Österreichs neuer Traumfrau wurde.

Der Seelenstrip des neuen Musicalstars. Und womit sie im Wiener Raimund Theater das Publikum aufmischt.

Nur in Ausnahmesituationen verschlägt es dem Seelenmonteur der Nation die Worte. Nur in Ausnahmesituationen gerät der Mann, der sonst ausschließlich in druckreifen Hauptsatzreihen spricht, kurz ins Stocken. Der Mann heißt Stephan Rudas. Und die Ausnahmesituation – die heißt Nina Proll.

„Auf diese Frau“, holt Rudas aus, um nach ergriffener Pause erneut anzuheben, „auf diese Frau trifft eines der bemerkenswertesten Phänomene zu, die die Wissenschaft der menschlichen Beziehungen kennt. Sie spinnt zwischen sich und ihren Empfängern eine Vielzahl unsichtbarer Fäden.“ Banaler formuliert: „Diese Frau hat Charisma.“ Noch banaler formuliert: Diese Frau hat Sex-Appeal!

Sprungbrett „Barbarella“. Die Experten sind sich einig: Die gerade 1,67 Meter große, 57 Kilo leichte Schauspielerin mit der Vorliebe für senfgelbe Pullunder, Burlington-karierte Petticoats und abgewetzte Cowboystiefel (Größe 36 1/2) ist mit ihren 30 Jahren auf dem Sprung von der nationalen Filmgröße ins internationale Format.

Als Müllplatzpflanze im Sozialdrama „Nordrand“ gewann sie den Mastroianni-Preis und wurde bei der Berlinale zum „Shooting Star des Jahres 2003“ gewählt. In der Häuslbauersatire „Hinterholz 8“ reifte sie an der Seite Roland Düringers zum Phänomen mit Breitenwirkung. Ab 11. März steht die Proll als Uraufführungs-Titelheldin in Dave Stewarts Musical „Barbarella“ auf der Bühne des Wiener Raimund Theaters – und somit im kritischen Fokus der Weltpresse.

Die Proll als Anti-Tussi. Die Proll – eine Sexbombe kurz vor der Detonation. „Der Sex der Nina Proll ist ihre überwältigende innere Schönheit“, schwärmt Ulla Weigerstorfer, in ihrer Funktion als Ex-Miss-World Österreichs Expertin für globale Schönheitsideale. „Der Sex der Nina Proll, das ist ihre bürgerlich-pomeranzenhafte Natürlichkeit, sie ist die Antithese zur Prolotussi“, konsumiert selbst Adabei Michael Jeannée, starken Frauen sonst nicht zugetan, zehn Deka Kreide. „Volles Gesicht, volle Lippen, überall Rundungen, sie wirkt lasziv, aber keinesfalls verrucht“, konzediert Salondame Eva Walderdorff, Instanz der Döblinger Damenhaftigkeit. „Sie hat keine grell gefärbte Mähne. Es ist ihr natürliches Blond, das die Männer umhaut“, verrät Adriana Zartl, als omnipräsente Busenfreundin wichtigste Augenzeugin in Sachen Proll-Faktor. „Die Großen, die Kleinen, die Alten, die Jungen, die Hellen, die Dunklen – die Nina wird an der Bar vom Theatercafé von allen angebaggert und geht doch mit keinem mit.“

Reiz der Widersprüche. Lasziv, aber bürgerlich. Aufreizend, aber nicht verrucht. Blond, aber natürlich. Der Sex der Proll – das ist die Summe äußerer und innerer Widersprüche. Widersprüche, die sich durch ihr Leben ziehen und die ihren Ursprung in der Frühpubertät haben. „Ich konnte ganz einfach nicht mein Leben lang das brave Mädchen in der Schuluniform sein, das meine Eltern in mir gesehen haben.“

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10.3.2004 16:54