Freitag, 12. März 2004

Leiharbeit: Immer mehr Firmen borgen sich Angestellte

  • Marktforscher erwarten "Marktsättigung" in Österreich für 2010 bei 4 Prozent der Beschäftigten

Zum flexibleren Einsatz von Arbeitskräften gehen auf der Kostenbremse stehende Firmen auch in Österreich vermehrt dazu über, sich Angestellte von "Leiharbeitsfirmen" zu borgen. Bisher war dies eher im Bereich der Arbeiter praktiziert worden.

Österreich stehe erst am Anfang des "Produktlebenszyklus Personalleasing". Immer mehr Großbetriebe würden das Verleihen von Arbeitskräften als wichtigen Beitrag zur "Flexibilisierung der Arbeitskräfte" sehen und nicht mehr nur als Übergangslösung bei Krankenständen oder Urlaubszeiten, so das Wiener Marktforschungsinstitut InterConnection in seiner neuen Personalleasing-Studie.

Für heuer und 2005 rechnen die Marktforscher mit jeweils zweistelligen Wachstumsraten. Zu den Branchen mit den höchsten Wachstumsraten werde der Handel zählen, der auf Grund der längeren Ladenöffnungszeiten einen hohen Bedarf an flexiblen Arbeitskräften habe. Eine Marktsättigung soll in Österreich erst im Jahr 2010 bei rund 4 Prozent eintreten.

Nur mehr Fach- und Schlüsselkräfte würden fix angestellt, der restliche Bedarf werde zunehmend durch "rasch abbaubare" Leiharbeitnehmer abgedeckt werden, prognostizieren die Marktforscher. Als neue Nachfrager am Markt werden Klein- und Mittelbetriebe erwartet. Diese würden erst allmählich die Vorzüge des Personalleasing erkennen.

Positiv beurteilt wird die EU-Richtlinie und der Kollektivvertrag für die Personalleasingbranche. Diese Maßnahmen hätten zwar zu einer Verteuerung der Leiharbeitskräfte geführt, dafür aber das Image der Branche verbessert. Darin sehen die Marktforscher eine Grundvoraussetzung für eine steigende Marktbedeutung.

Mit einem Anteil von 1,3 Prozent Leiharbeitnehmern an den gesamten Beschäftigten (ohne Beamte) im Jahr 2003 liege Österreich noch weit hinter Großbritannien, wo der Anteil bei 4,5 Prozent liegt. Die Marktforscher weisen darauf hin, dass in den letzten Jahren immer mehr Angestelle verliehen worden sind. Ihr Anteil an den gesamten überlassenen Arbeitskräften habe sich auf inzwischen 20,7 Prozent erhöht, nach 17,4 Prozent im Jahr 2002. Der Anteil der Arbeiter ist im Gegenzug auf unter 80 Prozent zurück gegangen.
(apa, red)

12.3.2004 13:05