Euro-Zentralbanken dürfen mehr Gold verkaufen: 500 Tonnen im Jahr!
- Verhandlungen über neues Goldabkommen abgeschlossen
- Österreichs Notenbankchef hat bereits weitere Goldverkäufe angekündigt
Die europäischen Zentralbanken dürfen bis 2009 maximal 2.500 Tonnen Gold verkaufen, 500 Tonnen mehr als in den vergangenen fünf Jahren. Darauf einigten sich die Europäische Zentralbank (EZB) und Zentralbanken 14 weiterer europäischer Länder. Der Goldpreis gab nach der Ankündigung leicht nach
Das derzeit gültige Washingtoner Goldabkommen von 1999 läuft im September aus. Es sieht einen jährlichen Verkauf von bis zu 400 Tonnen Gold vor; diese Obergrenze wird für die kommenden fünf Jahre auf 500 Tonnen erhöht. Für Österreich hat Notenbankgouverneur Klaus Liebscher das neue Abkommen unterschrieben. Neuer Unterzeichner ist Griechenland. Großbritannien machte bei der Verlängerung nicht mit.
Gold bleibe ein "wichtiges Element der globalen Währungsreserven", erklärten die Zentralbanken. In Finanzkreisen war erwartet worden, dass für die Laufzeit des neuen Abkommens bis 2009 eine höchstens um zehn bis 15 Prozent höhere Verkaufsmenge als die bisher gültigen 2000 Tonnen vereinbart würden, um den Markt nicht zu belasten. Der Goldpreis war allerdings in den vergangenen Monaten weiter stetig gestiegen und liegt derzeit bei rund 400 Dollar pro Feinunze (31,1035 Gramm).
Die Ankündigung selbst kam für die Märkte nicht überraschend. Dennoch gab der Goldpreis am Montag nach Bekanntgabe der Übereinkunft um einen Dollar auf 399 Dollar je Feinunze nach.
Neben der EZB unterzeichneten alle 12 nationalen Notenbanken des Eurosystems die Vereinbarungen, sowie die Zentralbanken der Schweiz und Schwedens. Neuer Unterzeichner ist Griechenland, während Großbritannien sich dem neuen Abkommen nicht mehr anschloss. Das Londoner Finanzministerium erklärte, das Land habe nicht vor, sich von Goldreserven zu trennen.
Die europäischen Zentralbanken halten insgesamt 45 Prozent der weltweiten offiziellen Goldreserven. Allein in den Tresoren der Deutschen Bundesbank liegen mehr als 3.400 Tonnen, das sind die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Die deutsche Notenbank hatte Anfang des Jahres mitgeteilt, sie habe in den Verhandlungen eine Option auf den Verkauf von 600 Tonnen bis 2009 angemeldet. Der deutsche Bundesbankpräsident Ernst Welteke hatte im Herbst vergangenen Jahres angeregt, über den Verkauf von Goldreserven Bildung und Forschung in Deutschland zu fördern. Dabei sollten die Milliardenerlöse aus dem Verkauf in einen Fonds fließen, dessen Zinsen dann zur Finanzierung verwendet werden sollen.
An den Finanzmärkten war mit einer baldigen Verlängerung des Goldabkommens gerechnet worden. Österreichs Notenbank-Gouverneur Klaus Liebscher hatte bereits im Jänner erklärt, Österreich würde wieder überlegen, Teile seiner Reserven im Ausmaß von 317 Tonnen zu verkaufen, wenn es zu einer neuen Vereinbarung mit anderen europäischen Notenbanken kommt. Er sah das alte Abkommen als "sehr positiv". Österreichs Notenbank hatte schon in der Vergangenheit Gold im Rahmen seiner im alten Abkommen möglichen "Quote" verkauft.
(apa, red)
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