Sonntag, 14. März 2004

4 x Kristall: Maier schreibt neues Kapitel in seiner Heldensaga

  • Herminator ganz menschlich: "Ich bin nichts Außergewöhnliches"
  • BILDER: So freut sich Hermann Maier über die Kristallkugel!

Mit dem Gewinn seines vierten Gesamt-Weltcups hat Hermann Maier ein weiteres Kapitel seiner außergewöhnlichen Heldensaga geschrieben - wahrscheinlich sogar das bisher eindrucksvollste. Etwas mehr als 31 Monate nach seinem Motorrad-Unfall stemmte der Salzburger nach einer durchfeierten Nacht in Sestriere die "Große Kristallkugel" in die Höhe und machte sich noch ein Stück unsterblicher.

"Der Herminator", "Der Außerirdische", "Das Phänomen" hat wieder eindrucksvoll zugeschlagen - Superlative, die der 31-jährige gelernte Mauer gar nicht mehr so gerne hat. "Ich bin nichts Außergewöhnliches", versichert Maier, dass er mit beiden Füßen fest auf dem Boden steht.

Seit dem 24. August 2001, als Maier von einem damals 73-jährigen Münchner schwer verletzt worden war, ist der Ski-Superstar ein anderer Mensch - so will es zumindest die Öffentlichkeit sehen. Statt hemmungslos und verbissen soll der Flachauer nun gelassen, ja fast streichelweich sein. Gehört das "Herminator"-Image wirklich der Vergangenheit an? Maier teilt diese Meinung nur bedingt: "Ich bin fast derselbe wie vor dem Unfall. Vielleicht bin ich ein wenig entspannter geworden, ich genieße die Dinge mehr als zuvor."

Eindrucksvolles Comeback
Das rechte Bein ist nach wie vor vom Unfall gezeichnet. Die Schwellung unterhalb des Skischuhs ist klar ersichtlich, das Bein fühlt sich laut Maier "wie eingeschlafen" an, vor allem beim Gleiten bereitet das dem Doppel-Olympiasieger 1998 (Nagano - inklusive "Jahrhundersturz" in der Abfahrt) und Doppel-Weltmeister 1999 (Vail) schwerste Probleme.

Maier hat dennoch seit seinem Comeback schon wieder sechs Rennen (vier Super G, zwei Abfahrten) gewonnen, in der Comeback-Saison gleich den Gesamt- und den Super-G-Weltcup geholt und damit die Konkurrenten mehr düpiert als je zuvor.

Bezeichnend war ein Satz der Schweizer Skilegende Bernhard Russi vor dem Maier-Comeback: "Wenn Maier noch einmal ein Rennen gewinnt, müssen alle anderen ihre Skier in den Mistkübel werfen." Dabei ist Maier ("Ich wurde am Höhepunkt meiner Karriere herausgerissen") noch lange nicht dort, wo er vor dem Rückschlag war. "Die hundert Prozent werde ich nie wieder erreichen", weiß Maier, der auch noch nach seinen früheren Paradeeigenschaften sucht: "Ich hoffe schon, dass der alte Ehrgeiz und die Hemmungslosigkeit wieder zurückkommen."

Titelhamster und Radrennfahrer
47 Weltcup-Siege, zwei Olympiasiege, zwei WM-Titel, vier Gesamt-Weltcup-Siege, zehn "kleine Kristallkugeln" - die Trophäenliste von Maier sucht in der Ski-Geschichte ihres gleichen. "Wenn man intensiv mit sich selbst beschäftigt ist, dann bleibt man am Boden. Für mich ist das normal, Superlative gibt es für mich nur für Leistungen von anderen", so Maier, der auch abseits der Piste stets für Furore sorgt.

Der Start bei der Tour de France 2003 vor mehr als einer halben Million Menschen in Paris oder die Botschafterfunktion bei Salzburgs Olympia-Bewerbung 2010 sorgen dafür, dass Maier, dem in Flachau eine eigene "Hermann-Maier-Strecke" gewidmet ist, auch weit über Österreichs Grenzen hinaus ein Begriff ist.

Maier, der 1996 sein Weltcup-Debüt gab und 1997 seinen ersten Sieg feierte, ist aber kein Typ, der sich auf seinen Lorbeeren ausruht. Die nächsten großen Ziele sind die WM 2005 in Bormio sowie das Erreichen eines weiteren statistischen Meilensteines.

"Den Alberto Tomba zu knacken, ist eigentlich mein größtes Ziel", schielt Maier auf die ewige Weltcup-Sieger-Liste, in der Ingemar Stenmark (86 Siege) vor Tomba (50) und dem Salzburger (47) in Front liegt. "Rekorde haben schon etwas an sich", meinte Maier, dem also nur noch drei Siege auf den großen "La Bomba" fehlen. Wo Maier ohne seinen schweren Unfall bereits stehen würde? "Daran möchte ich gar nicht denken."

(apa/red)

14.3.2004 11:41