Sonntag, 14. März 2004

Spannender Kampf Bush vs. Kerry: In Umfragen liegen sie Kopf an Kopf!

  • 46% für den Präsidenten, 43% für seinen Gegner
  • Auch die USA fürchten jetzt Terror vor der Wahl

US-Präsident Bush und sein designierter demokratischer Herausforderer John Kerry liegen in der Wählergunst nahezu gleich auf. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des US- Senders CBS und der "New York Times" hervor. Mit 46 Prozent Zustimmung der Befragten lag Bush drei Prozentpunkte vor Kerry, vor zwei Wochen führte dagegen der demokratische Politiker mit 47 Prozent knapp vor Bush (46 Prozent).

Sobald der unabhängige Kandidat Ralph Nader in die Fragen einbezogen wurde, zeigte sich jedoch ein klarer Vorteil für Bush ab: Für den derzeitigen Präsidenten sprachen sich in diesem Fall 46 Prozent aus, Kerry kam auf 38 Prozent. Ein wunder Punkt ist für Kerry der Umfrage zufolge die Frage nach seiner Glaubwürdigkeit. Nur rund ein Drittel der Befragten erklärten, der Politiker sage ihrer Meinung nach was er wirklich denke.

Bush musste vor allem bei seiner Entscheidungsfähigkeit in Wirtschaftsfragen Minuspunkte hinnehmen: Rund 60 Prozent zogen seine Kompetenz auf diesem Gebiet in Zweifel. Mehr als die Hälfte, 53 Prozent, erklärten dagegen, Bush könne gut mit internationalen Krisen umgehen. Für Kerry fand das nur jeder Dritte (33 Prozent). Befragt wurden 1.286 Erwachsene, darunter 984 Wahlberechtigte. Die Fehlerquote wurde mit drei Prozentpunkten angegeben.

Auch USA fürchten jetzt Terror vor der Wahl
Noch am Montag gratulierte US-Präsident George W. Bush dem spanischen Sozialisten Zapatero per Telefon zu dessen überraschendem Wahlsieg.

Die prompte Gratulation zeigt, welche Nervosität die Ereignisse in Spanien in der Bush-Regierung ausgelöst haben. Die Auswirkungen der Anschläge von Madrid und der Abwahl der konservativen Volkspartei (PP) von Jose Maria Aznar auf die USA sind zwar kaum kalkulierbar: Bush muss nun in der Tat befürchten, dass der Verlust eines wichtigen europäischen Verbündeten in der Irak-Politik seine Bemühungen unterminiert, mehr internationale Unterstützung für die militärische Stabilisierung und den Wiederaufbau des Landes zu gewinnen.

Zudem geht in den USA die Furcht um, dass Terroristen sich von den Entwicklungen in Spanien ermutigt sehen könnten, auch die November-Wahl in den USA mit Anschlägen beeinflussen zu wollen: "Dies war ein Test, und er hat funktioniert", sagt Larry Sabato, Politologe an der University of Virginia.

Zunächst einmal aber wird Bush versuchen, aus dem Terror von Madrid Rückenwind für seine Wahlkampagne zu gewinnen. Die Anschläge seien eine "düstere Mahnung, dass es böse Menschen in der Welt gibt, die bereit sind, unschuldiges Leben zu töten", sagte er bereits am Donnerstag während einer hastig organisierten Kranzniederlegung an der spanischen Botschafterresidenz in Washington.

Die Bush-Kampagne hebt vor allem darauf ab, den Präsidenten als entschlossenen Anti-Terror-Kämpfer zu präsentieren.

Auf der anderen Seite muss Bush fürchten, dass mit dem Ausscheren der Spanier seine ohnehin nur dünn besetzte "Koalition der Willigen" in Irak zu bröckeln beginnt.

Der Abzug der spanischen Soldaten könnte einen "Dominoeffekt" auslösen.

Welchen Effekt ein Anschlag in den USA auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl am 2. November haben könnte, ist allerdings höchst ungewiss: Spanien ist nicht Amerika. Die US-Bevölkerung hat sich in Krisenzeiten traditionell immer hinter ihrem Präsidenten versammelt - zumindest kurzfristig.
(apa, red)

14.3.2004 08:11