Altkanzler Kohl: Debatte über "Kerneuropa" ist "Idiotendiskussion"
- "Völlig unerträgliche Arroganz"
Der deutsche Altkanzler Helmut Kohl (CDU) ist in der Debatte über das Konzept für ein "Kerneuropa" deutlich auf Distanz zum CDU-Außenpolitiker Wolfgang Schäuble gegangen. Die Debatte über ein "Europa der zwei Geschwindigkeiten" sei eine "Idiotendiskussion", sagte Kohl am Samstagabend bei einem Gespräch mit dem ehemaligen polnischen Staatspräsidenten Lech Walesa.
Zu einem solchen Kerneuropa würden vermutlich nur jene fünf EU-Staaten gehören, die wie Deutschland mehr als 50 Millionen Einwohner hätten. "Aber die über 10 Länder Europas, die keine so große Bevölkerungszahl haben, die gehören nicht dazu", sagte Kohl. Sie hätten aber genauso wie Deutschland "ihren Platz in Europa".
Es sei fraglich, wie man dazu komme, manchen Ländern zu sagen, sie müssten noch länger warten, weil sie "noch nicht soweit" wie die anderen seien. "Ich halte das für eine Arroganz, die für mich völlig unerträglich ist", sagte Kohl.
Der stellvertretende Unions-Fraktionschef Schäuble hatte Außenminister Joschka Fischer (Grüne) kürzlich für dessen Abschied vom Konzept eines Kerneuropas kritisiert. Um den Prozess der Vertiefung und Erweiterung zu bewältigen, brauche Europa für lange Zeit eine dynamische Führung, sagte Schäuble. Diese Führung habe "ein Teil der Mitglieder" auszuüben.
Schäuble hatte den Begriff Kerneuropa 1994 gemeinsam mit dem CDU-Außenpolitiker Karl Lamers geprägt. Die beiden sprachen sich dafür aus, dass integrationsbereite EU-Staaten die Möglichkeit haben, sich stärker zusammenzuschließen als andere.
(apa, red)
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