Donnerstag, 11. März 2004

1. Todestag: Tausende Serben gedenken Zoran Djindjics

  • Blumen am Ort des Attentats und eine Zoran-Djindjic-Ecke auf dem Belgrader Platz der Republik

Blumen am Ort des Attentats und eine Zoran-Djindjic-Ecke auf dem Belgrader Platz der Republik: Ein Jahr nach der Ermordung Djindjics hat Serbien am Freitag des populären Ministerpräsidenten gedacht. Vor dem Regierungssitz in Belgrad, wo Djindjic am 12. März vergangenen Jahres von einem Heckenschützen erschossen wurde, erinnerten am Freitag Blumen an den Reformpolitiker.

Der neue serbische Regierungschef Vojislav Kostunica, einstiger Verbündeter und späterer Rivale Djindjics, legte einen Kranz nieder. Am Grab des getöteten Ministerpräsidenten erwiesen Tausende Trauernde Djindjic schweigend ihre Ehre und legten Blumen nieder.

Mitglieder der Demokratischen Partei (DS) enthüllten eine Plakette auf dem Platz der Republik, dessen einer Teil künftig nach Zoran Djindjic benannt ist. In der Nähe des Platzes hatten die von Djindjic angeführten Protestmärsche gegen die Regierung von Slobodan Milosevic ihren Ausgang genommen, die schließlich im Jahr 2000 zum Sturz des damaligen jugoslawischen Präsidenten führten.

Der in Deutschland ausgebildete Djindjic gewann in den darauf folgenden Jahren als Ministerpräsident hohes Ansehen, machte sich mit seinem pro-westlichen Reformkurs jedoch auch Feinde. Vor allem die Auslieferung Milosevics an das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, die auf seine Initiative erfolgte, war in Serbien sehr umstritten.

Djindjic wurde am 1. August 1952 als Sohn eines Offiziers im nordbosnischen Bosanski Samac geboren und wuchs in Belgrad auf. Während seines Philosophie-Studiums gründete er 1974 eine nicht-kommunistische Studentengruppe, was ihm einige Monate Haft eintrug. Djindjic verließ daraufhin Jugoslawien und studierte in Frankfurt und Konstanz. Nach Abschluss seiner Dissertation kehrte er 1979 nach Jugoslawien zurück. Im Winter 1989 gründete er zusammen mit anderen Oppositionellen die Demokratische Partei.

Djindjics Tod warf die Reformen in Serbien zurück. Politisch gewannen die Nationalisten wieder stärker an Einfluss. Die mutmaßlichen Drahtzieher des Attentats sind weiter auf freiem Fuß. Ein Prozess gegen 13 Verdächtige begann im Dezember. Gegen die meisten von ihnen wird jedoch in Abwesenheit verhandelt. Lediglich fünf der Angeklagten sind in Haft. (apa/red)

11.3.2004 23:09