Falscher Bombenalarm: Frankreichs Bahnverkehr behindert
- Nachahme-Täter halten ganzes Land in Atem
- "Echte" Erpresser untergetaucht
Im Schlepptau professioneller Bahnerpresser halten Trittbrettfahrer mit falschen Bombendrohungen die Bahnreisenden in Frankreich in Atem. Am späten Montagabend musste der Bahnhof von Poitiers in Westfrankreich nach einer Anschlagdrohung für mehrere Stunden evakuiert werden.
Der Polizei zufolge hatte ein Anrufer im Namen der mysteriösen Bahnerpresserbande AZF erklärt, auf dem Bahnhof seien mehrere Sprengkörper versteckt. Zuvor waren bereits die Bahnhöfe von Grenoble und Orleans nach Bombenalarmen stundenlang lahm gelegt gewesen. Die "echten" Erpresser der mysteriösen AZF sind dagegen seit einer Woche erst einmal abgetaucht.
Für die Polizei besteht kein Zweifel, dass es sich bei den Bombendrohungen gegen Bahnhöfe um die Taten von Wichtigtuern und Trittbrettfahrern handelt. Vergeblich erinnerte sie daran, dass im vergangenen Jahr zwei Menschen wegen ähnlicher Taten zu drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden waren. Die meisten der von stundenlangen Verspätungen betroffenen Bahnreisenden fügen sich gelassen in ihr Schicksal. Klagen gibt es kaum und Panik will sich auch nicht breit machen. Bisher gebe es keine Absagen von Reservierungen, berichtete die Bahngesellschaft SNCF.
Die AZF hatte versucht, mit der Platzierung einer Bombe auf einer Bahnbrücke eine Millionensumme zu erpressen. Dabei hatte sie eine mindestens zweiwöchige Funkstille für den Fall angekündigt, dass die Erpressung publik würde. Weil die AZF ihre Briefe mit einem "Siegel" unverwechselbar macht, können die Fahnder unterscheiden, ob sie hinter einer Anschlagdrohung steckt oder nicht. Doch auch jede Drohung von Trittbrettfahrern wird ernst genommen, jeder anvisierte Bahnhof systematisch durchsucht.
Zumindest offiziell tappen die 600 Ermittler bei der Fahndung nach der AZF im Dunklen. Die Erpresser hätten das typische Verhalten der Polizei offenbar eingehend studiert, um in keine Falle zu tappen, hieß es. Auch den Rhythmus der Kontakte will die AZF selbst bestimmen. Die Serie falscher Alarme dürfte der AZF eher ungelegen kommen: Denn damit wird ihr Ziel gefährdet, mit eigener Funkstille erst einmal Gras über die Sache wachsen zu lassen, um später in aller Verschwiegenheit neue Verhandlungen mit den Behörden über eine Geldübergabe aufnehmen zu können. (apa)
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