Mittwoch, 10. März 2004

Polit-Eklat nach Kärnten-Wahl: SP-Seifried fordert Ambrozy-Rücktritt

  • Ambrozy: "Skandalöse Besudelung"
  • Zum Nachlesen: Seifrieds Sager!

Den Rücktritt des gesamten Kärntner SP-Präsidiums forderte am Dienstag der SP-Bürgermeister von Wolfsberg, Gerhard Seifried, in der "ZiB 2". Nicht SP-Spitzenkandidat Ambrozy allein trage die Schuld daran, dass die SP bei der Landtagswahl am Sonntag nicht Erste geworden sei. Es sei das Präsidium, das ihn gekürt habe. Und dieses habe gewusst, dass Ambrozy kein Gewinner sei, kritisierte Seifried.

Selbst wenn man keinen Wahlkampf geführt hätte, selbst wenn man den Karawankenbär aufgestellt hätte, hätte die SPÖ ein Ergebnis eingefahren, dass nicht schlechter als das Erreichte gewesen wäre. Jene, die im Präsidium vertreten seien, "die wollen an ihren Sesseln kleben", meinte Seifried weiter. Sie müssten aber "konsequent alle den Hut nehmen und Platz machen für Erneuerung". Es gebe eine Reihe guter Bürgermeister, so der Bürgermeister Seifried.

Ambrozy sollte nun jedenfalls als Verhandler für die Regierungsverhandlungen durch jemand anders ersetzt werden. Die SPÖ sollte "möglichst rasch mit den Freiheitlichen abschließen". Denn man brauche neue Formen in der Politik. "Wir versuchen das als Bürgermeister in den Gemeinden vorzuzeigen", so Seifried. Seifried hatte sich schon im Wahlkampf dahingehend geäußert, dass der Erste des Wahlabends auch den Landeshauptmann stellen solle - auch wenn dieser dann erneut Haider heiße.

Ambrozy entsetzt
Als "skandalöse Besudelung der Partei" bezeichnete Dienstagabend der Kärntner SPÖ-Vorsitzende LHStv. Peter Ambrozy die zuvor vom Wolfsberger SPÖ-Bürgermeister Gerhard Seifried gegen das Parteipräsidium und gegen ihn geführten Angriffe. Seifried habe sich aber schon während des Wahlkampfes "als Handlanger Jörg Haiders" entpuppt.

"Der Mann hat offenbar nicht erkannt, dass wir sechs Prozent hinzugewonnen habe", meinte Ambrozy zur APA in Klagenfurt. Dieser Erfolg sei aber nicht in Wolfsberg zu Stande gebracht worden, sondern im übrigen Land. Zur Forderung Seifrieds nach einer raschen Einigung zwischen FPÖ und SPÖ sagte Ambrozy, die SPÖ werde sich von ihrem Weg hin zu einer vernünftigen Regierungserklärung nicht abbringen lassen.

Schockiert über die Äußerungen "des vermeintlichen Parteifreundes" Seifried zeigte sich ein anderer ranghoher Kärntner SPÖ-Funktionär. Er meinte gegenüber der APA: "Solche Sachen hat Haider in seiner ärgsten Zeit nicht zu uns gesagt."

Seifried "deckungsgleich" wie 1999
Die Reaktion des Seifrieds nach der Landtagswahl 2004 ist nahezu identisch mit jener vom 8. März 1999, einen Tag nach der damaligen Wahl. Als damals SPÖ-Spitzenkandidat Michael Ausserwinkler nach der schweren Niederlage zurückgetreten war, genügte das Seifried nicht: Er forderte die Demission des gesamten Parteipräsidiums sowie des Vorstandes und sprach sich ebenfalls für die Wahl Jörg Haiders zum Landeshauptmann aus.

Seifried machte nach dem Verlust der Nummer-eins-Position der SPÖ die gesamte Führungsriege verantwortlich. Der Bürgermeister damals: "Aus Sekretären sind Funktionäre geworden und die sind zur Wahl gestanden. Das hat der Wähler nicht goutiert. Die Strategen in Klagenfurt haben einen entsetzlichen Wahlkampf geführt, und zwar nicht Ausserwinkler allein, sondern sein ganzes Team rund um ihn." Daher, so Seifried damals, wäre es "ein Akt der Solidarität", wenn nun das Parteipräsidium und der Parteivorstand, die diese Wahlkampflinie vollinhaltlich bestätigt hätten, kollektiv ihren Rücktritt anbieten würden: "Mitgegangen, mitgefangen, mithangen."

Zu seiner Forderung nach der Wahl Haiders bemerkte er damals: "Diese Faktenlage muss man zur Kenntnis nehmen. Alles andere, als Haider zum Landeshauptman zu machen, wäre der weitere Weg nach unten." (apa)

10.3.2004 07:30