Samstag, 13. März 2004

Kardinal König ist tot: In der Nacht im Schlaf gestorben

  • Wiener Alterzbischof befand sich im 99. Lebensjahr
  • Schönborn: "Die erste Reaktion ist große Trauer", Klestil: "Schwerer Verlust"

Kardinal Franz König ist in der Nacht auf Samstag, den 13. März, gegen 3.00 Uhr im 99. Lebensjahr gestorben. König war als Wissenschaftler, Seelsorger und Mann des Dialogs weit über Österreich hinaus bekannt. Präsident Klestil, Kanzler Schüssel, der Wiener Erzbischof Schönborn, ÖGB-Präsident Verzetnitsch, der Zweite NR-Präsident Fischer und FPÖ-Obmann Haupt zeigten sich zutiefst bewegt vom Ableben Königs.

Kardinal Schönborn zelebrierte am Abend des 13. März im Wiener Stephansdom eine erste Gedächtnismesse für seinen Vorvorgänger.

Beisetzung am 27. März
Das Requiem für Kardinal König und die feierliche Beisetzung werden am Samstag, 27. März, um 10.00 Uhr, im Wiener Stephansdom stattfinden.

Stille Autorität
König war zum Zeitpunkt seines Todes nach dem Italiener Corrado Bafile (101) der zweitälteste katholische Kardinal. Der als Wissenschaftler, Seelsorger und Mann des Dialogs über die Grenzen Österreichs bekannte König war jahrzehntelang eine der entscheidenden Schlüsselfiguren der römisch-katholischen Weltkirche. Die stille Autorität, der Ausgleich über alle ideologischen Barrieren und politischen Lager hinweg prägten seit jeher seine Persönlichkeit.

Schönborn: "Große Trauer"
"Die erste Reaktion ist große Trauer", sagte Kardinal Schönborn im Gespräch mit "Kathpress". "Es ist tiefe Trauer, dass dieser große Mensch, Christ, Bischof und Kardinal von uns gegangen ist, der für die Kirche und für Österreich so unglaublich viel bedeutet hat". Kardinal König sei der große "Mann der Versöhnung", Seelsorger und Brückenbauer gewesen.

Wie Kardinal Schönborn sagte, gebe es zugleich ein Gefühl der Dankbarkeit, "dass Gott uns diesen großen Menschen für so lange Zeit geschenkt hat". Wörtlich sagte der Wiener Erzbischof: "Die vielen Jahre der Präsenz und des Dienstes Kardinal Königs waren ein Geschenk für die Kirche in Österreich und weltweit. Sie waren auch ein Geschenk für dieses Land, in dem Kardinal König eine unangefochtene und hoch geachtete moralische und religiöse Autorität war".

"Kardinal König war in seiner Persönlichkeit groß als Mensch, als Priester und als Bischof", sagte der Linzer Diözesanbischof Maximilan Aichern in seinem Nachruf auf König. Er habe Gesellschaft und Kirche bedeutend mitgestaltet und in der Theologie "vieles glaubend weitergebracht und für die Zukunft grundgelegt". Auch in der Weiterentwicklung der Ökumene sei König federführend gewesen.

Betroffenheit
FPÖ-Obmann Herbert Haupt zeigte sich in einer ersten Reaktion gegenüber der APA "tief betroffen" vom Ableben des Kardinals. "Er war nicht nur ein Brückenbauer zwischen verschiedenen Meinungen, sondern vor allem ein Mensch, der Glauben und Versöhnung schenkte. Kardinal König hat unendlich Gutes für Österreich und seine Menschen geleistet", so Haupt.

Bundespräsident Thomas Klestil hat sich in einer ersten Reaktion "zutiefst bewegt" vom Tod des Kardinals gezeigt. "Sein Ableben ist nicht nur ein schwerer Verlust für die Katholiken unseres Landes, sondern für alle Österreicher - unabhängig von ihrem Glaubensbekenntnis. Der Seelsorger Kardinal König glaubte angesichts seines fast hundertjährigen Lebens stets an Österreich und war längst zu einer geistigen und moralischen Autorität unseres Landes geworden". "Ich selbst habe mit Kardinal König einen väterlichen Ratgeber verloren, dessen Tod eine große Lücke hinterlässt. Ich werde Kardinal Franz König nie vergessen".

Präsidentschaftskandidat Heinz Fischer bezeichnete König als "eine Persönlichkeit, die man einfach gern haben und verehren musste.

Österreich verliere mit König "einen ganz Großen unserer Zeit", sagte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel.

ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch zeigte sich betroffen vom Ableben des Wiener Alterzbischofs. "Mit Franz König verliert unser Land einen wichtigen Brückenbauer, der dabei nicht nur in Österreich den Dialog der Kirchen mit den verschiedensten politischen Richtungen begann, sondern dessen Tätigkeit auch weit hinein in den ehemaligen Ostblock reichte. Er war ein einen Mann des Ausgleichs, bei dessen Taten und Worte stets das Wohl des Menschen im Mittelpunkt gestanden war".

Caritas-Präsident Küberl würdigte das soziale Engagement Königs: "Für ihn war jeder Mensch wichtig". In die Trauer um den Tod von Kardinal Franz König mische sich für die Caritas auch große Dankbarkeit für "beständiges Nachfragen, Mitgehen und Unterstützen der Arbeit in den letzten Jahren und Jahrzehnten", sagte Caritas-Präsident Franz Küberl in einer ersten Stellungnahme zum Tod Königs. Der Kardinal sei ein Mann des Dialoges zwischen den Kirchen und Religionsgemeinschaften, zwischen Kulturen und Kontinenten gewesen.

Betroffen zeigt sich auch der Bundessprecher der Grünen. "Kardinal König war eine große Persönlichkeit und wohl bedeutendster Kardinal der letzten Jahrzehnte", so Alexander Van der Bellen. Vor allem der Dialog mit der Ostkirche, den anderen Religionen und die klare Haltung zur Trennung zwischen Kirche und Staat waren mit der Person Kardinal König verbunden.

"Wenn alle Amtsträger der katholischen Kirche die Gesinnung Kardinal Königs hätten, gäbe es nirgendwo die Mutlosigkeit und Resignation, die heute weite Teile der Kirche erfasst haben", erklärte die "KirchenVolksBewegung 'Wir sind Kirche'"
(apa/red)

13.3.2004 08:02