"Stalker"-Attacke: Autorin Waris Dirie bis nach Wien verfolgt
- Verdächtiger rastete in der Wohnung des Opfers aus
- Portugiese wurde von Wiener Polizei in U-Haft genommen
Die Schriftstellerin Waris Dirie ist von einem "Stalker" bis nach Wien verfolgt worden. Der Verdächtige, ein 26-jähriger Portugiese, lebt laut Polizei seit rund einem halben Jahr in dem Wahn, mit der Frau eine Beziehung zu haben. Vor kurzem übersiedelte die Autorin von Wales in die österreichische Hauptstadt. Nur Tage später war ihr der Mann nachgereist. Weil sie sein Werben nicht erhörte, habe der Verdächtige, der jetzt in U-Haft sitzt, sie in ihrer Wohnung attackiert und verletzt.
Der Portugiese hatte die Autorin vor sechs oder sieben Monaten in Wales zum ersten Mal getroffen, als sein Bruder handwerkliche Tätigkeiten in ihrem Haus durchführte. "Damals ist er ihr verfallen und seither überzeugt, dass sie ihm bestimmt ist", sagte Hofmayer. An ihrem vorherigen Wohnort soll der Mann schon einmal bei Dirie eingebrochen und persönliche Gegenstände wie Kleidungsstücke als "Fetische" mitgenommen haben. "Ein Musterbeispiel für 'Stalking'", so Hofmayer.
"Stalker" rastete aus
Gestern, Dienstag, fand sich Paulo A. völlig unvermutet an der neuen Wiener Adresse seines Opfers ein. "Er hat auf eine Überraschung gehofft. Sie war so erschrocken, dass sie ihn im Schockzustand hineingelassen hat", sagte Hofmayer. Nachdem seine Liebesbeteuerungen erneut unerhört blieben, rastete der Portugiese laut Polizei aus. Er soll eine Tür eingetreten, die Frau zu Boden geworfen und geschlagen haben. Dirie erlitt leichte Verletzungen.
Von der Polizei weggewiesen, fuhr der "Stalker" zunächst mit einem Taxi durch die Stadt - nur um dann doch wieder vor dem Haus seiner Angebeteten aufzutauchen. Jetzt versuchte er, gewaltsam zu ihr vorzudringen. Er zerschlug in einer leer stehenden Wohnung im Erdgeschoß ein Fenster, gelangte so ins Stiegenhaus und wollte die Wohnungstür der Frau eintreten. Diesmal landete er in Polizeigewahrsam.
"Stalking" kommt aus dem englischen Jägerjargon und heißt so viel wie "auf die Pirsch gehen", sich an seine "Beute heranschleichen". Psychologen und Juristen bezeichnen damit das Phänomen, wenn "Liebe" zum Wahn wird. Die Verfolger heften sich ihren Opfern oft monate- oder jahrelang auf die Fersen, meist ohne gewalttätig zu werden. Prominente Opfer solchen Psychoterrors waren etwa US-Regisseur Steven Spielberg und Pop-Ikone Madonna.
Dirie als Sonderbotschafterin
Die Exekutive hatte zuvor den Namen von Waris Dirie nicht bekannt gegeben. Sie ist u.a. Sonderbotschafterin des UNFPA (United Nations Population Fund) und in humanitärer Weise vor allem durch ihr Engagement gegen die Genitalverstümmelung an afrikanischen Frauen bekannt geworden.
Die geborene Somalierin flüchtete als Teenager von ihrem Zuhause in der Wüste zunächst in die Hauptstadt Mogadischu, um einer arrangierten Hochzeit zu entgehen, und ging später als Dienstmädchen eines entfernten Onkels nach London. Die Kraft für sein humanitäres Engagement schöpft das ehemalige Fotomodell aus seiner Lebenseinstellung. "Ich liebe einfach das Leben. Alles, was ich immer wollte, ist eine friedvolle Welt, dass die Menschen miteinander auskommen." Viele Menschen würden nicht genug schätzen, was sie haben, sagte Dirie im Vorjahr.
(apa/red)
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