Mittwoch, 10. März 2004

Schulnoten adé: Österreicher sind dagegen!

  • 73% wollen weiter Noten an Volksschulen, 87% an Hauptschulen
  • 72 bzw. 84% für das Sitzenbleiben

Nicht anfreunden können sich die Österreicher mit dem Vorschlag von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, bis zum Ende der Hauptschule bzw. AHS-Unterstufe das Sitzenbleiben abzuschaffen und in der Volksschule die Kinder statt mit Ziffernnoten nur verbal zu beurteilen. Laut einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts Spectra sprechen sich 73 Prozent für ein Beibehalten der Noten in der Volksschule aus, bei den Hauptschulen bzw. der AHS sind es sogar 87 Prozent.

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Sitzenbleiben: Für eine Klassenwiederholung bei mehreren Fünfern plädieren 72 Prozent (Volksschulen) bzw. 84 Prozent (Hauptschulen/AHS).

Für die Erhebung wurden im März 500 für die Gesamtbevölkerung repräsentativ ausgewählte Personen ab 15 Jahre telefonisch befragt. Außerdem verglich Spectra die Ergebnisse mit einer vor elf Jahren durchgeführten ähnlichen Umfrage. Resultat: Seit 1993 hat sich die Einstellung der Bevölkerung zu diesen beiden Themenfeldern praktisch nicht verändert.

Die Anhängerschaft der verbalen Beurteilung ist demgegenüber relativ klein: Nur ein Fünftel (22 Prozent) tritt für schriftliche Beurteilung statt Ziffernbenotung in der Volksschule ein (wo dies zum Teil in Schulversuchen schon so gehandhabt wird, Anm.) Mit steigender Bildung steigt allerdings die Akzeptanz des Gusenbauer-Vorschlags: Maturanten und Akademiker treten immerhin zu 40 Prozent für die verbale Beurteilung ein (56 Prozent sind in dieser Bevölkerungsgruppe dagegen). Für die Meinungsforscher sind diese Werte verständlich: Der Bevölkerung sei nicht einsichtig, wo der Nutzen im Abtausch zwischen Schulnoten und Verbalbeurteilung bestehe - Argumente seien in der Diskussion kaum mitgeliefert worden.

Ein fast spiegelgleiches Bild zeigen die Daten zum Sitzenbleiben: Für ein Aufsteigen in die nächste Klasse trotz mehrerer Fünfer sprechen sich im Volksschulbereich ebenfalls nur ein Fünftel (20 Prozent) aus, wobei der Bildungsgrad kaum eine Rolle spielt. Noch weniger gewünscht wird das Aufsteigen mit mehreren Fünfern an den Hauptschulen bzw. der AHS-Unterstufe - gegen das Sitzenbleiben in diesen beiden Schultypen sprechen sich sogar nur zwölf Prozent aus.

Die Meinungsforscher führen das Festhalten an diesem "tradierten Meinungsbild" auf die "Leistungsgesellschaft" zurück. Der humanistische Gedanke komme dabei vermehrt unter Druck. In den Köpfen der Österreicher gehe es in den Schulen vermutlich sehr stark um die Ausbildung von Fähigkeiten, im späteren Wettbewerb müsse man sich gut durchsetzen: "In einer Ellbogengesellschaft ist Leistung sehr gefragt. Mehrere Fünfer im Zeugnis passen einfach nicht in dieses Bild." (apa)

10.3.2004 10:10