Montag, 8. März 2004

Unglaubliche Bluttat in Wien: Mit Machete Hand abgetrennt

  • 23-jähriger Ex-Freund der Tochter attackierte Familie
  • 51-Jähriger verteidigte sich mit Machete

Ein 51 Jahre alter Wiener hat seine Familie gegen Attacken des mit einem Hackbeil bewaffneten Ex-Freundes seiner Tochter verteidigt und dem jungen Mann dabei mit einem so genannten Gurkha-Messer die rechte Hand abgetrennt. Er selbst erlitt einen Schädelbruch. Seine Frau, seine Tochter und sein eineinhalb Jahre altes Enkelkind blieben bei dem wilden Kampf in der Nacht auf Montag in einer Wohnung in Wien-Ottakring unverletzt.

Was den 23-jährigen Ex-Freund der Tochter zu den Angriffen bewogen hatte, blieb vorerst ungeklärt. Michael J. hatte nachts telefonisch sein Kommen angekündigt, wirr gesprochen und unter anderem erklärt, er müsse seine kleine Tochter schützen. Die Ermittler schließen nicht aus, dass der 23-Jährige im Drogenrausch handelte.

Gegen 3.00 Uhr läutete J. heftig an der Wohnungstür. Seine Freundin, die ihm öffnete, drängte er weg. Es entstand ein Streit, durch den die Eltern der jungen Frau wach wurden. Der 23-Jährige stürzte schließlich in die Küche, schnappte aus einer Lade ein Hackbeil und schrie: "Ich bring euch um! Ich bring euch um!", wie der Leiter des Kriminalkommissariats West, Mag. Josef Koppensteiner, berichtete. Um seine Familie zu verteidigen, holte Franz P. das Gurkha-Messer - ein Urlaubsmitbringsel - aus dem Schlafzimmer und warf sich zwischen J. und die beiden Frauen. Offenbar unabsichtlich trennte er dem wild tobenden J. die Hand ab. Seine Frau sperrte sich schließlich mit dem kleinen Kind im WC ein.

J. tobte sogar weiter, als ihm der Vater seiner Freundin bereits die Hand abgetrennt hatte. Bei dem Kampf ging unter anderem eine Küchenlampe zu Bruch. Selbst als die von der Familie alarmierte Polizei eintraf, führte sich der 23-Jährige noch auf wie ein Irrer: Mit dem Stumpf schlug er um sich. Den ob der Szene, die sich ihnen bot, völlig entsetzten Beamten gelang es zunächst nicht, ihn zu bändigen. Erst nachdem die Rettung eingetroffen war, ließ J. sich beruhigen.

Die schockierte Familie fand laut Koppensteiner zunächst keine Erklärung für das Verhalten des 23-Jährigen. Die ebenfalls 23 Jahre alte Tochter hatte sich vor Weihnachten von dem Vater ihrer kleinen Tochter getrennt, da sie vermutete, dass er Drogen nahm. Es handelte sich um die zweite Trennung des Paares. Zu Gewalttätigkeiten war es bisher nie gekommen.

Wann die Ermittler mit Michael J. reden können, ist noch offen. Der 23-Jährige wurde im AKH operiert, wo die Ärzte versuchten, die Hand wieder anzunähen, sagte Koppensteiner. Auch an der linken Hand habe der Mann beträchtliche Verletzungen erlitten.

P. hat nach Ansicht der Polizei aus reiner Notwehr gehandelt. "Ob ihm strafrechtlich ein Vorwurf zu machen ist, muss aber die Staatsanwaltschaft entscheiden", sagte Koppensteiner. "Wir machen daher eine entsprechende Sachverhaltsmitteilung." (apa)

8.3.2004 09:13