Mittwoch, 3. März 2004

Maier gegen Miller: Wer behält im Finish die Nerven?

  • Das Rennen um den Gesamtweltcup wird zum Krimi.
  • Fahren Maier und Miller bald gemeinsam für Atomic?

Ein leichtes Schmunzeln hat er sich am vergangenen Sonntagvormittag dann doch nicht verkneifen können: Hermann Maier saß im ÖSV-Olympiastützpunkt Obertauern gerade auf dem Ergometer und verfolgte aus der Ferne am TV-Schirm interessiert den 1. Slalomdurchgang von Kranjska Gora, als Bode Miller nach einem schweren Fehler zurücksteigen musste und mit einem Rückstand von über vier Sekunden die Qualifikation für den zweiten Lauf und damit die Chance auf Weltcuppunkte verpasste.

24 Stunden vorher hatte der 26-jährige Amerikaner auf demselben Hang im Riesentorlauf an seine überragenden Vorstellungen zu Saisonbeginn (zwei Siege in Serie) anschließen können, die gesamte Konkurrenz einschließlich Maier in Grund und Boden gefahren, mit seinem 6. Triumph in diesem Winter wieder die Führung im Gesamtweltcup übernommen und danach nur lapidar gemeint: „Ich will jetzt nicht zu viel an Maier denken, das tut mir nicht gut.“

Reine Nervensache
Die spannendste Entscheidung in der Weltcupgeschichte ist längst nicht nur ein echter Ski-Krimi, sondern wird zunehmend zur Nervenschlacht, die mit Benni Raich in Kranjska Gora ein zweites Opfer neben Miller gefordert hat. Der Pitztaler hätte im Slalom nach dem Ausfall des Weltcup-Leaders mit einer Top-Platzierung viel Boden auf den US-Boy gutmachen können, scheiterte aber nach guter Zwischenzeit wenige Tore vor der Ziellinie. Wie gesagt: reine Nervensache.

Spannung pur
Am Wochenende geht das Kopf-an-Kopf-Rennen im Kampf um die „große Kristallkugel“ weiter. Im norwegischen Kvitfjell stehen am Samstag (6. März) eine Abfahrt und am Sonntag (7. März) ein Super-G auf dem Programm – die letzten Rennen vor dem Weltcupfinale im italienischen Sestriere (10. bis 14. März). Miller stürzt sich mit ganzen acht Punkten Vorsprung auf Maier die Olympiapiste von 1994 hinunter, um das schier Unmögliche möglich zu machen – nämlich als Weltcupführender ins „Finale Grande“ zu gehen. Wahrscheinlicher ist da schon, dass der „Herminator“ im hohen Norden zurückschlägt und einen vielleicht vorentscheidenden Punktevorsprung gegenüber seinem Herausforderer aus Amerika herausholt. Jedenfalls liegt Maier derzeit exakt im Plan, was seinen vierten Gesamtweltcupsieg in seiner fünften vollen Weltcupsaison betrifft. Und den die NEWS-Prognose (Nr. 6/04) bereits vor einem Monat vorberechnet hat.

Vorteil Herminator
Ski-Superstar Hermann Maier gibt sich zum Ende seiner „Comeback-Saison“ jedenfalls demonstrativ entspannt: „Wenn ich in den nächsten Rennen nur meine normale Leistung abrufen kann, kommt der Rest von alleine.“ Sein Vorteil gegenüber Miller: Einschließlich Weltcupfinale stehen noch vier Speed-Bewerbe (2x Abfahrt, 2x Super-G), aber nur mehr zwei technische Disziplinen (1x Riesentorlauf, 1x Slalom) auf dem Programm. Zum größten Gegner des „Herminators“ – neben Abfahrtskönig und Titelverteidiger Stephan Eberharter (Rückstand derzeit 115 Punkte auf Maier) – wird somit das Wetter. Fällt in Kvitfjell ein Rennen witterungsbedingt aus, dann kann es wegen des knappen Zeitplans (das Abfahrtstraining in Sestriere steigt bereits kommenden Dienstag, das Rennen dann am Mittwoch, 10. März) nicht mehr nachgetragen werden. Ähnliches war Maier 1999 passiert, der bisher einzige Winter in seiner Karriere, in dem er den Gesamtweltcupsieg verpasst hat – um 158 Punkte hinter dem Norweger Lasse Kjus. Damals gab’s auch die bisher knappste Entscheidung überhaupt: Nur 23 Punkte trennten Kjus und seinen Landsmann Kjetil-Andre Aamodt.

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS

3.3.2004 18:56