Samstag, 6. März 2004

Neuer IWF-Chef: Offenbar wieder ein Europäer!

  • Liste der Kandidaten soll bis Mitte nächster Woche eingeengt werden
  • Spanischer Wirtschaftsminister gilt als aussichtsreichster Kandidat

Der Posten des IWF-Chefs soll nach dem Rücktritt Köhlers offenbar wieder von einem Europäer besetzt werden. Die Tradition, dass der IWF von einem Europäer und die Weltbank von einem Amerikaner geführt werde, solle aufrechterhalten werden, hieß es bei G7-Vertretern. Dabei wird der spanische Wirtschaftsminister Rodrigo Rato als aussichtsreicher Kandidat gehandelt.

Die Liste der Kandidaten solle bis Mitte nächste Woche eingeengt werden. Im IWF hieß es, spätestens bis zur Frühjahrstagung des Währungsfonds im April werde der Nachfolger für Köhler feststehen. Ende der Woche waren zahlreiche Namen im Gespräch, unter ihnen der britische Finanzminister Brown, Spaniens Wirtschaftsminister Rato und der italienische Goldman-Sachs-Manager Draghi. Auch der Chef der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, der Franzose Lemierre, sowie der britische Ex-Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Crockett, wurden als Kandidaten für die Nachfolge Köhlers gehandelt.

Der spanische Ministerpräsident Aznar sagte nach Presseberichten vom Samstag, es gebe kaum eine qualifiziertere Person als Rato. Die angesehene Madrider Zeitung "El Pais" schreibt: "Wenn Rato den Posten haben wollte, hätte er unter allen Favoriten für die Köhler- Nachfolge die besten Chancen." Rato selbst äußerte sich zurückhaltend: "Ich dränge mich nirgends auf. Es gibt keine Kandidatur". Rato gilt als der "Vater des spanischen Wirtschaftswunders" der vergangenen acht Jahren. Er war in der Madrider Regierung lange Zeit die Nummer zwei hinter Aznar gewesen.

Der 61-jährige Köhler hatte sein Amt vorzeitig niedergelegt, um als Bundespräsident in Deutschland zu kandidieren. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete am Samstag vorab, die Bundesregierung verzichte darauf, einen Deutschen ins Rennen zu schicken, da es Widerstand anderer europäischer Regierungen gebe. (apa)

6.3.2004 17:24