Machtkampf bei Disney: Eisner verliert den Vorsitz!
- 43% der Aktionäre sprachen sich für Ablöse aus. Kritiker werfen dem umstrittenen Chef schwere Fehler vor
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Machtkampf im Disney-Konzern, 43% der Aktionäre sprachen sich für die Ablöse von Eisner aus! Der umstrittene Boss verlor den Vorsitz, nachdem das Direktorium am Mittwoch die Trennung der Ämter von Konzernchef (CEO) und Vorsitzendem (Chairman) beschloss. Eisner, der bisher in Personalunion beide Posten bekleidete, solle CEO bleiben, teilte das Direktorium mit. Zum Chairman sei einstimmig der frühere US-Senator George Mitchell bestimmt worden.
Mit der Trennung der Ämter zog das Direktorium einen vorläufigen Schlussstrich unter die heftige Kontroverse um Eisner, nachdem eine überraschend hohe Zahl von 43 Prozent der Aktionäre auf der Hauptversammlung in Philadelphia gegen eine Wiederwahl Eisners gestimmt hatten. Seine Kritiker werfen Eisner (61) vor, in den vergangenen Jahren strategische Fehler gemacht zu haben, mit langfristig negativem Effekt für die Disney-Aktie.
Eisner sagte dem Senders ABC, er werde auf jeden Fall bis zum Auslaufen seines Vertrags 2006 CEO bleiben. Das Direktorium zeigte sich bemüht, die Verärgerung der Aktionäre mit dem Verweis auf die bisherige positive Geschäftsentwicklung zu dämpfen: Die Stimmen derer, die das Aus für Eisner forderten, habe man im Direktorium gehört. Daten und Fakten würden jedoch bestätigen, dass die bisherige Strategie des Managements richtig sei. Als Spitzenmanager genieße Eisner das volle Vertrauen des Direktoriums.
Demgegenüber erklärte Sean Harrigan, Präsident von Calpers, des größten Pensions-Fonds der USA, das Votum von 43 Prozent der Aktionäre zeige, wie massiv die Unzufriedenheit der Aktionäre sei. "Und das hat zu der Auffassung geführt, dass Eisner gehen sollte", fügte Harrigan hinzu.Analysten äußerten sich skeptisch darüber, ob die Aktionäre sich mit der Entscheidung zur Ämtertrennung zufrieden geben würden. Das sei doch nur ein kosmetischer Schritt, hieß es.
Das feindliche Übernahmeangebot des Kabel-TV-Betreibers Comcast hatte die Misstimmung der Aktionäre mit angeheizt. Im Blick darauf erklärte das Direktorium, man werde "jeden vernünftigen Vorschlag für eine Fusion sorgfältig prüfen und analysieren". Ein Übernahmeangebot von Comcast werde den Disney-Aktionären aber keinen Nutzen bringen. Das feindliche Übernahmeoffert des Comcast-Konzerns beläuft sich auf 49 Mrd. Dollar (40,4 Mrd. Euro). Das Disney-Management hatte das Angebot als nicht ausreichend abgelehnt.
Die Kritik der Aktionäre von Disney entzündete sich auch an dem schwachen Abschneiden des Disney-eigenen Senders ABC und an der ihrer Ansicht nach falschen Management-Entscheidung in den Verhandlungen um Filmvertriebsrechte mit der Produktionsfirma Pixar Animation Studios.
Microsoft-Chef Bill Gates winkte ab, befragt nach einem eventuellen Beteiligungsinteresse des weltgrößten Software-Konzerns an Disney. Bei Microsoft konzentriere man sich zur Zeit voll auf die unter dem Codenamen "Longhorn" bekannte nächste Betriebssystem-Software. Mit dem Übernahmeangebot habe Microsoft nichts zu tun. "Wir sind nicht Teil eines Gebotes oder von irgendwas", erklärte Gates im Fernsehen.
In New York waren Disney-Aktien am Mittwoch elf Cent schwächer bei 26,66 Dollar aus dem Handel gegangen.
(APA/Red.)
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