Dienstag, 2. März 2004

Streit um Pinguine: Klage gegen Österreich-Werbung & Fotografen!

  • Schöpfer der Kunststoff-Tiere erheben Ansprüche auf Urheberrechte
  • Streitwert: mindestens 100.000 Euro.

Die für Österreich werbenden Pinguine "Joe" und "Sally" haben einen heftigen Urheberrechts-Streit ausgelöst. Die beiden Schöpfer der Kunststoff-Figuren haben nun die Österreich Werbung und den Fotografen Willy Puchner geklagt. Streitwert: Mindestens 100.000 Euro.

"Die Klagsschrift wurde eingebracht und müsste heute zugestellt worden sein", sagte der Anwalt Michel Walter, der die beiden Pinguin-Schöpfer Christian Jauernik und Anna Maria Heigl vertritt, am Dienstag zur APA. Der Streitwert liege bei mindestens 100.000 Euro.

Puchner, der vier Jahre lang mit den mehr als einen Meter großen Figuren aus Polyesterharz auf Weltreise gegangen war und 1992 das Buch "Die Sehnsucht der Pinguine" mit zahlreichen Fotos von "Joe & Sally" vor bekannten Sehenswürdigkeiten veröffentlich hatte, habe von den Pinguin-Schöpfern die Zustimmung zum Buch in erster Auflage erhalten, aber keine darüber hinausgehenden Rechte, so Walter.

Für die ÖW als Erst- und Puchner als Zweitbeklagten gebe es nun mehrere Möglichkeiten, so Walter. Wenn keine gütliche Einigung zu Stande komme, werde der Prozess geführt und das Gericht eine Einstweilige Verfügung gegen die neue ÖW-Werbelinie verfügen. Die ÖW könne aber auch ihrerseits freiwillig von der Werbekampagne abrücken. Sollten die Künstler "zu angemessenen Bedingungen" mit Namensnennung und Geld abgegolten werden, sei ein Abbruch der Werbelinie aber nicht zwingend, so Walter.

Neben Jauernik und Heigl hätte auch noch ein dritter Künstler, ein Bühnenbildhauer, Anspruch auf eine entsprechende Abgeltung. Dieser habe 1988 ebenfalls an der Konzeption der Pinguine als Auftragsarbeit für die Wiener Festwochen mitgewirkt, sei aber bereits seinerzeit abgefunden worden. Dennoch würde auch ihm ein Anteil aus den Verwertungserlösen zustehen.

Bei den Schadenersatzforderungen der Künstler seien "100.000 Euro die allerunterste Grenze", die Forderungen seien auch abhängig von der künftigen Nutzung der Pinguine durch die ÖW bzw. Puchner. Den Künstlern gehe es jedenfalls "nicht nur um Geld, sondern auch um die Namensnennung". GGK-Geschäftsführer Thomas Plötzeneder hat einem "profil"-Bericht zufolge zwecks einer außergerichtlichen Einigung in einem ersten Schritt 7.500 Euro angeboten, was Jauernik und Heigl entschieden zu wenig sei.

Die bereits im Vorfeld in der Branche heftig umstrittene und von Lowe/GGK entwickelte neue ÖW-Sommerkampagne mit den weltreisenden Pinguinen wurde Ende Jänner gestartet, vor heimatlichen Motiven - am See, auf der Wiese, im Konzert, vor eine Almhütte - sollen die zwei Figuren Sehnsucht nach einem Österreich-Urlaub wecken. Die 6,5 Mio. Euro teure ÖW-Kampagne ist für unterschiedliche Werbeträger wie Fernsehen, Printmedien, Plakate, Citylight und Außenwerbestellen wie Flughäfen konzipiert. (apa)

2.3.2004 15:50