Dienstag, 2. März 2004

Volkswagen-Chef: "Kein Werk wird geschlossen!"

  • Der Konzern will bis 2005 vier Mrd. Euro einsparen
  • BILDER & Fakten: VW Golf, Beetle Cabrio, Concept T & C

Die Meldung über 4 Mrd. Euro Kosteneinsparungen, die Europas größter Autokonzern Volkswagen binnen zwei Jahren durchziehen will, überraschte die Teilnehmer am Genfer Autosalon. Schnell wurde der Verdacht laut, man könne solch massive Einsparungen nur über Werksschließungen realisieren. VW-Chef Pischetsrieder bemühte sich die Wogen zu glätten.

"Es werde ganz sicher nicht keine Werksschließungen geben", versicherte der Konzern-Boss Journalisten am Genfer Autosalon. Wenn man in einem Konzern 50 bis 60 verschiedene Modelle habe, könne man die dafür installierte Kapazität nicht immer gleichzeitig ausnutzen. Die Erweiterung der Modellpalette werde schon bald wieder für mehr Auslastung sorgen, erklärte Pischetsrieder.

"5er"-Golf als Zugpferd
VW halte an dem Ziel fest, in diesem Jahr 600.000 Golf zu verkaufen. "Ob wir das schaffen, werden wir am Ende des Jahres sehen", meinte er. Ähnlich äußerte sich der Autoboss zu der Prognose, den Absatz im VW-Konzern in diesem Jahr von 5,0 auf 5,5 Millionen Fahrzeuge zu steigern. Dazu müsse man wissen, was sich Ende des Jahres tue. Es mache keine Sinn, eine konkrete Zahl zu verfolgen, sagte Pischetsrieder. "Mehr Autos zu verkaufen geht leicht - damit Geld zu verdienen, ist die schwierigere Frage."

Der Automanager sagte zu Medienberichten, wonach sein Stuhl wackele, dies "ist kein Thema, dass mich in irgendeiner Weise beschäftigen würde". Mit Aufsichtsratschef Ferdinand Piech gebe es "überhaupt keinen Dissenz" über die Strategie - auch nicht mit Audi-Chef Martin Winterkorn, ergänzte Pischetsrieder. Winterkorn war in Zeitungsberichten als potenzieller Pischetsrieder-Nachfolger genannt worden.

Zu dem finanziellen Umfang des Kostensenkungsprogramms "formotion" wollte sich Pischetsrieder nicht äußern. Er betonte, damit solle VW eine solide Zukunft gesichert werden, falls die schwache Konjunktur und die Dollarschwäche anhielten. "Um unter diesen negativen Annahmen unsere Ziele zu erreichen, haben wir dieses Programm aufgelegt." Es gehe nicht primär darum, in diesem oder einem anderen Jahr das Ergebnis zu verbessern, sondern dauerhaft ein verbessertes Niveau der Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen. Einzelheiten will der VW-Chef auf der Bilanzpressekonferenz von VW am 9. März erläutern.

Einstieg in höherwertige Autosegmente
Pischetsrieder verteidigte erneut die Strategie, verstärkt in höherwertige Automobilsegmente vorzudringen. VW müssen in allen Segmenten annähernd gleich stark vertreten sein, zumal die Oberklasse mit Abstand am profitabelsten sei. Das eine machen, bedeute nicht, das andere zu lassen, entgegnete er auf Forderungen, VW müsse sich wieder mehr auf preiswertere Automobile konzentrieren. Eine Entscheidung, auf welcher technischen Plattform das Projekt C1 (Modell zwischen Passat und Phaeton) gebaut werde, falle im April. In der Diskussion als Plattformen sind der Maseratti Quattroporte und der Audi A6. Der Anteil von VW am schwedischen Nutzfahrzeughersteller Scania stehe nicht zur Disposition. (APA/Red.)

2.3.2004 10:28