Präsidenten-Wahl: Medien gehen mit Fiedler streng ins Gericht
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Wenig Freundliches kann Rechnungshof-Präsident Franz Fiedler in den Freitag-Ausgaben heimischer Zeitungen zu seiner möglichen Kandidatur für das Bundespräsidenten-Amt lesen. Von den Kommentatoren wird nicht nur die allfällige Kandidatur selbst, sondern auch das Drumherum um das Vielleicht-Antreten Fiedlers massiv kritisiert.
So leitet Martina Salomon ihren Kommentar mit dem Titel "Geschenk für Haider" in der "Presse" mit folgender Passage ein: "Ist ein bevorstehender Pensionsschock Grund genug, sich ganz fürchterlich lächerlich zu machen? Franz Fiedler befindet sich auf einer Gratwanderung, Absturz in die Peinlichkeit nicht ausgeschlossen." Und: Die bisherige "Ikone der Tadellosigkeit" habe sich offenbar Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (F) ausgeliefert, so Salomon weiter. Für diesen wäre die Kandidatur Fiedlers nämlich "sehr hilfreich", biete dies doch Drohpotenzial in Richtung ÖVP. Sollte diese Haider nicht zum Landeshauptmann küren, könnte sich Haider "durch eine Unterstützung Fiedlers an Wolfgang Schüssel bitter rächen".
"Die Rache der gekränkten Männer" überschrieb Andreas Schwarz seinen Kommentar im "Kurier". Fiedler sei von der ÖVP einst nicht in jenes Amt gebeten worden, für das er sich sehr geeignet gefühlt habe, nämlich jenes des Verfassungsgerichtshof-Präsidenten. Und er sei von der ÖVP nicht gefragt worden, "ob er für sie in die Hofburg reiten will". Der gekränkte Fiedler komme dem gekränkten Haider gerade zupass, so Schwarz. "Auch der hat ja eine Rechnung mit Wolfgang Schüssel offen, den er für die Zertrümmerung seines Lebenswerkes FPÖ verantwortlich macht."
"Schon verloren", so der Titel des Kommentars von Walter Salzmann im "Neuen Volksblatt". Die Chancen für Fiedler, in die Hofburg einzuziehen, seien gering. "Das dürfte der Rechnungshofpräsident wohl auch selbst wissen. Seine Kandidatur dürfte aus heutiger Sicht lediglich einen zweiten Wahlgang bewirken. Zu gewinnen gibt es somit wenig. Verloren hat Fiedler hingegen schon jetzt. Die Bekanntgabe seiner Überlegungen über ein Zeitgeistmagazin, die Geheimniskrämerei um die Hintermänner und deren Absichten stehen einem Kandidaten für das höchste Amt im Staate nicht gerade gut an. Fiedlers jüngste Ambitionen stehen unter keinem guten Stern."
Für Hans Winkler ("Kleine Zeitung") ist Fiedler "im Stil schon ganz Präsident" - zumindest, wenn man die Maßstäbe des amtierenden Staatsoberhaupts Thomas Klestil anlege. "Wichtige Entscheidungen gibt er über News bekannt." Im Nachhinein werde jedenfalls nun einiges am Verhalten Fiedlers in den vergangenen Wochen klar. "Dass er den Rechnungshof gegen die bisherigen Gebräuche auf Finanzminister Karl-Heinz Grasser ansetzte, könnte damit zu tun haben, dass er sich als entschlossener Kämpfer gegen Korruption profilieren wollte. Auch hat er sich - ebenfalls ungewöhnlich für den Chef der Kontrollinstanz - öfters zu politischen Fragen geäußert." Vor allem aber erreiche Fiedler mit seinem Vielleicht-Antreten nach Ansicht Winklers eines: er bringe "Schwarz und Rot in Verlegenheit". (apa)
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