Französische Bahnerpresser: Fahnder prüfen Verbindungen
- Parallelen zu Berliner Kaufhauserpresser und Olmützer Bahnerpresser möglich
Die mysteriösen Bahnerpresser in Frankreich haben möglicherweise Beziehungen nach Deutschland oder Tschechien. Nach der Analyse der Drohbriefe prüfen die Ermittler Parallelen zum Berliner Kaufhauserpresser Arno Funke alias "Dagobert" und zum Bahnerpresser von Olmütz (Olomouc). Das wurde am Samstag in Paris bekannt. Die Erpresser drohen mit Massenmord an Bahnreisenden. Sie haben bereits eine Bombe an einer Brücke platziert, um eine Millionensumme zu erpressen.
Funke hatte lange mit der Polizei Katz und Maus gespielt, bevor er gefasst und 1995 wegen erpresserischer Bombenanschläge auf Berliner Kaufhäuser verurteilt werden konnte. Sein Vorgehen erinnert die Ermittler an das Täuschungs- und Verwirrspiel der Bombenleger, die von der Bahngesellschaft SNCF 4 Millionen Dollar (3,28 Mill. Euro) und eine Million Euro wollen. Gleichzeitig sehen sie viele Parallelen zum Olmützer Fall. Auch in Tschechien hatten die Täter eine technisch perfekte Bombe an einer Bahnbrücke deponiert und gefordert, das Geld aus niedriger Höhe vom Hubschrauber abzuwerfen. Auch die Olmützer Täter tauchten ab, als die Übergabe scheiterte. Sie wurden nie ermittelt.
Einen ausländischen Bezug vermuten die Ermittler nach einer Sprachanalyse der Drohbriefe. Die Bombenleger schrieben zwar in einem fehlerfreien, sehr komplexen Französisch. Einige Formulierungen wirkten aber wie aus einer anderen Sprache übersetzt. Die Zeitung "Le Monde" veröffentlichte am Samstag lange Auszüge der Briefe.
"Wir sind eine Interessensgruppe terroristischen Charakters", schrieben die Erpresser. "Die neue terroristische Methode, die wir entwickelt haben, ist je nachdem unschädlich oder schrecklich mörderisch und wird im Falle eines Blutbades die Regierungsverantwortlichen in aller Augen zu den wahren Schuldigen und authentischen Kriminellen machen."
In ihren Reihen könnten die Täter nach Ansicht der Ermittler auch (ehemalige) Geheimdienst- oder Militärexperten haben. Auf eine Ausbildung in diese Richtung deute nicht nur die minutiöse Planung, sondern auch die korrekte Nutzung von Fachbegriffen hin. Die Täter hätten eine Arbeitsteilung von Spähern, Minenlegern und Kontaktleuten, geben Positionen in Längen- und Breitengraden. Die Behörden nehmen die Erpresser sehr ernst. Bei der gescheiterten Geldübergabe per Hubschrauber setzten sie ein AWACS-Radarflugzeug zur Aufklärung ein. (apa)
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