Donnerstag, 4. März 2004

Mazedonien: Präsident Trajkovski in Skopje beerdigt

  • Tausende Mazedonier und hochrangige Delegationen aus 60 Ländern
  • Klestil und Prodi: Keine neuen Trennlinien in Europa zulassen

Der am 26. Februar bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommene mazedonische Präsident Boris Trajkovski (47) ist am Freitag in Skopje mit allen Staats- und militärischen Ehren beerdigt worden. Zehntausende Bürger Mazedoniens und hochrangige Politiker aus über 60 Ländern erwiesen Trajkovski die letzte Ehre.

Präsidenten aus 14 Staaten, mehrere Ministerpräsidenten und zahlreiche Minister legten Kränze nieder. Österreich war durch Bundespräsident Thomas Klestil vertreten, der am Rande der Begräbnisfeierlichkeiten mit EU-Kommissionspräsident Romano Prodi zu einem Gespräch zusammen kam.

Neben Delegationen aus Europa, vor allem den Ländern Südosteuropas, legten jene aus den USA, Russland, China sowie von Organisationen wie EU, NATO und OSZE am Sarg Kränze nieder. "Mazedonien, die ganze Region und ganz Europa haben einen aufgeklärten Führer verloren, der weit über die Tagespolitik hinausblickte", sagte Prodi in seiner Grabrede. Er forderte die mazedonische Führung auf, das europäische Projekt, das der verunglückte Präsident so vehement verfolgte, umzusetzen. "Wir glauben an dieses Land, an dessen Willen und Entschlossenheit, volles EU-Mitglied zu werden und wir sind überzeugt, dass dies Mazedonien auch gelingen wird".

Prodi versprach dem Land die volle Unterstützung. Auch freue sich Brüssel auf den offiziellen Antrag zur EU-Aufnahme. Trajkovski war just an jenem Tag verunglückt, an dem Mazedonien offiziell den Antrag zur EU-Aufnahme überreichen wollte. Die feierliche Antragstellung wurde nach dem Flugzeugunglück aufgeschoben.

Der mazedonische Regierungschef Branko Crvenkovski erinnerte an die großen Verdienste von Trajkovski während der zwischenethnischen Konflikte im Jahre 2001. Ihm gebühre der Verdienst, dass eine Katastrophe verhindert werden konnte. Trajkovski habe damals stoisch jede Kritik hingenommen, auch als manche behaupteten, dass er ein Verräter sei. "Er war der größte Patriot", betonte Crvenkovski. "In der Zeit der Verrücktheit hast Du Vernunft an den Tag gelegt."

Trajkovski leitete 2001 die Verhandlungen, die zur Beendigung eines sechsmonatigen Konfliktes zwischen Regierungstruppen und albanischen Extremisten führten. Mit dem Abkommen von Ohrid wurden der albanischen Volksgemeinschaft, die etwa 24 Prozent der Bevölkerung ausmacht, größere Rechte bei der Nutzung der Muttersprache sowie eine bessere Vertretung im Verwaltungsapparat gesichert.

Klestil führte am Rande der Begräbnisfeierlichkeiten in Skopje mit Prodi ein einstündiges Gespräch. Angesichts des Scheiterns des EU-Gipfels Mitte Dezember betonten beide, dass die Integration weiter vorangetrieben werden müsse. Es dürften keine neuen Trennlinien in Europa entstehen. Hinsichtlich der Beziehungen der neuen EU-Länder zu Russland sei es Aufgabe von Brüssel, besondere Sorgfalt walten zu lassen.

Weiters kam Klestil in Skopje mit den Präsidenten der Slowakei und Polens, Rudolf Schuster und Aleksander Kwasniewski, sowie dem slowenischen Ex-Präsidenten Milan Kucan und Ex-NATO-Generalsekretär George Robertson zu informellen Gesprächen zusammen.

Trajkovski war vergangenen Donnerstag auf dem Weg zu einer internationalen Geber-Konferenz in der Nähe von Mostar in Bosnien-Herzegowina gemeinsam mit acht weiteren Personen verunglückt. Über die Absturzursache gibt es weiter nur Spekulationen. Bosnische Medien berichteten, dass die Fluglotsen in Mostar die Verantwortung für das Unglück tragen, Bei den Lotsen handelt es sich um französische Mitglieder der in Bosnien NATO-geführten Stabilisierungstruppe SFOR. (apa)

4.3.2004 22:09