Donnerstag, 4. März 2004

Griechenland: Athos-Weltkulturerbe in Flammen!

  • Brand im serbisch-orthodoxen Kloster Hilandar gelöscht
  • Uralte Kirchenschätze konnten gerettet werden

Bei einem Brand in dem berühmten serbisch-orthodoxen Kloster Hilandar in der griechischen Mönchsrepublik Athos, seit 1988 UNESCO-Weltkulturerbe, haben Mönche und Feuerwehr gerade noch rechtzeitig uralte Kirchenchätze retten können. Lediglich einige Ikonen-Wandmalereien seien in der Nacht auf Donnerstag vom Rauch geschwärzt worden, hieß es im griechischen Rundfunk. Die Flammen drohten Ikonen und tausende Seiten alter kyrillischer Handschriften zu zerstören. Verletzt wurde niemand.

Das mehr als 800 Jahre alte Kloster Hilandar beherbergt nach Kirchenangaben mehr als zwei Millionen Seiten kirchlicher Dokumente in frühslawischer Sprache. Der Heilige Berg Athos war von der UNESCO, der Erziehungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen, sowohl als Architektur- als auch als Naturdenkmal zum Weltkulturerbe ernannt worden. Der rund 30 Kilometer lange Finger der nordgriechischen Halbinsel Chalkidike ist sehr unwegsam und deshalb für die Feuerwehr nur schwer zu erreichen. In der Nacht benötigten die Feuerwehrleute drei Stunden, um mit speziellen Geländewagen zu dem brennenden Kloster zu gelangen.

Auf dem Athos leben derzeit rund 2000 Mönche. Anders als der 0,44 Quadratkilometer große Vatikan, der 1929 durch die Lateranverträge ein eigener Staat wurde, ist die 336 Quadratkilometer große Mönchsrepublik nicht souverän, sondern ein Kondominium unter der gemeinsamen Herrschaft Griechenlands und des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel - der selbst türkischer Staatsbürger sein muss (seit 1991 Bartholomaios I.)

Athos verfügt zwar über eine vom griechischen Parlament und vom Phanar sanktionierte Verfassung, über eine Regierung, ein Parlament und eine eigene Gerichtsbarkeit. Völkerrechtlich ist die Mönchsrepublik aber nicht vertragsfähig. Die zwanzig Großklöster, von denen jedes kirchenrechtlich den Rang eines Bistums (Eparchie) besitzt, sind Selbstverwaltungseinheiten. Die Regierung der Mönchsrepublik ist die vierköpfige "Hiera Epistasia" (Heilige Aufsicht).

Für den heutigen Status des Heiligen Berges, der seit 1430 unter osmanischer Oberhoheit gestanden war, trägt indirekt Österreich-Ungarn die Verantwortung. Nach dem zweiten Balkankrieg 1913 wurde er als souveränes Staatswesen mit den orthodoxen Staaten als Schutzmächten konzipiert. Österreich-Ungarn erhob auf der Londoner Konferenz Anspruch darauf, ebenfalls als Schutzmacht anerkannt zu werden. Wegen der österreichischen Haltung kam die Konferenz zu keinem Ergebnis. Die Mönche erklärten sich ihrerseits als vom Ökumenischen Patriarchat abhängige geistliche Gemeinde außer Stande, einen weltlichen Staat zu bilden. Der die staatliche Aufsicht ausübende griechische Gouverneur ist dienstrechtlich den Präfekten der griechischen Verwaltungsbezirke gleichgestellt, untersteht aber nicht dem Innen-, sondern dem Außenministerium in Athen. (apa)

4.3.2004 15:13