Genua: Prozess gegen 26 Globalisierungsgegner
- No Global-Aktivisten demonstrierten vor Justizpalast
- Eltern des erschossenen Demonstranten im Gerichtssaal
Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen hat am Dienstag in Genua der Prozess gegen 26 Globalisierungs-Gegner im Zusammenhang mit den Krawallen am Rande des G8-Gipfels im Juli 2001 begonnen. Die Angeklagten sind fast alle italienische Staatsbürger. Ihnen wird Verwüstung, Plünderung, Diebstahl, Widerstand gegen die Polizei, Waffenbesitz, Überfälle und Körperverletzung vorgeworfen.
Bei den schweren Krawallen am Rande des G-8-Gipfels war die ligurische Hauptstadt teilweise verwüstet worden.
Scharfe Sicherheitsvorkehrungen wurden rund um den Justizpalast in Genua ergriffen, nachdem Hardliner von Globalisierungskritiker-Gruppen mit Protestaktionen am Rande des Prozesses gedroht hatten. Vor dem Justizpalast im Zentrum von Genua versammelten sich einige hundert Globalisierungsgegner, die Slogans gegen die Polizei riefen. Die Demonstranten wurden von den Sicherheitskräften vom Eingang des Justizpalasts fern gehalten.
"Widerstand, Widerstand", riefen die Demonstranten. Sie trugen Plakate mit Aufrufen an die Angeklagten: "Ihr seid nicht allein!".
Giulianis Eltern anwesend
Vor Gericht anwesend waren auch die Eltern des bei den Krawallen in Genua erschossenen Globalisierungsgegners, Carlo Giuliani. Er war beim Angriff auf einen Polizei-Jeep von einem Polizisten erschossen worden. Der Polizist Mario Placanica wurde im vergangenen Jahr vom Vorwurf des Mordes an Giuliani freigesprochen. Er habe in Notwehr gehandelt.
Die Mitglieder der österreichischen Theatergruppe "VolxTheaterKarawane", die wegen angeblicher Beteiligung an den Krawallen im Sommer 2001 drei Wochen lang in Untersuchungshaft waren, werden nicht vor Gericht stehen.
Bald soll ein Untersuchungsrichter in Genua entscheiden, ob die 16 Mitglieder der VolxTheaterKarawane vor Gericht erscheinen müssen. Ihnen werfen die Staatsanwälte Vandalismus, Plünderung und Verbindungen zu den Aktivisten vor.
Am vergangenen Freitag hatten die Ermittler ein Strafverfahren gegen 29 Polizisten im Zusammenhang mit schweren Gewalttätigkeiten bei der Durchsuchung der Hauptquartiere der Antiglobalisierungs-Bewegung in den Schulen Diaz und Pascoli sowie um die angeblichen Menschenrechtsverletzungen in der Kaserne Bolzaneto im Juli 2001 begonnen. Den Polizisten wird unter anderem Gewalttätigkeit und Amtsmissbrauch vorgeworfen.
(apa, red)
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