Montag, 1. März 2004

2. Prozess-Tag: Vorwürfe gegen Dutroux wurden verlesen

  • Angeklagter muss sich u.a. wegen Mordes und Vergewaltigung verantworten
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Am zweiten Tag des Prozesses gegen Marc Dutroux hat die Anklage die Vorwürfe gegen den mutmaßlichen Kindermörder und seine drei möglichen Komplizen aufgelistet. Generalstaatsanwalt Michel Bourlet begann am Dienstag im Schwurgericht der südbelgischen Provinzhauptstadt Arlon mit der Verlesung der 56-seitigen Anklageschrift.

Darin wird Dutroux unter anderem die Entführung und Vergewaltigung von sechs Mädchen im Alter von acht bis 19 Jahren zur Last gelegt. Zudem ist er angeklagt, zwei der Mädchen und einen Komplizen ermordet zu haben. Die drei mutmaßlichen Komplizen sollen die Taten gestützt haben.

Angehörige der getöteten Mädchen reagierten im Dutroux-Prozess betroffen auf die Schilderung der Entführung ihrer Kinder. Die Mutter von Eefje Lambrecks brach in Tränen aus. Ihre Tochter war im Sommer 1996 in einem Garten von Dutroux vergraben gefunden worden. Sie war verhungert und verdurstet.

Unterdessen ließ die Verteidigung von Dutroux durchblicken, in dem Verfahren mögliche Verbindungen des Angeklagten zu Netzwerken aus Kriminellen betonen zu wollen. Ob es solche Hintermänner gab, gilt als eine der Schlüsselfragen des Prozesses.

Dutroux' Anwalt Xavier Magnee beantragte, einen Anhang der Strafakte zur Verfügung zu stellen. In diesem Teil des Dossiers sind Angaben zu Dutroux' Bankkonto in Luxemburg enthalten sowie Analysen von Tausenden von Haaren, die in dem Kinderversteck in Dutroux' Keller gefunden wurden. Staatsanwalt Jean-Baptiste Andries erklärte, dieser Aktenteil stehe der Verteidigung bereits zur Verfügung. Er trage aber nichts zu den angeklagten Fakten bei.

Detaillierte Schilderungen
Ankläger Bourlet legte in der 74-seitigen Anklageschrift detailliert dar, wie die Mädchen verschleppt und in einem Kellerverlies in Dutroux' Haus in Marcinelle bei Charleroi untergebracht wurden.

Das Verlies hatte Dutroux derart umgebaut, dass es nur über einen Gang zu erreichen war, dessen Zutritt mit einem Metallregal versteckt war. Die ein Meter breite und 2,15 Meter lange Zelle war mit einem Fernseher ausgestattet und hatte eine Schlafecke auf dem Boden. Julie und Melissa waren am 24. Juni 1995 in ihrem Heimatort Grace-Hologne beim Spielen verschleppt worden. Erst nach Dutroux' Festnahme im August 1996 wurden ihre Leichen auf einem Grundstück Dutroux' von der Polizei ausgegraben.

Laut Bourlet ergab die Autopsie, dass die Mädchen verhungerten. Dutroux war in der Zeit, in der die Mädchen im Verlies waren, wegen Autodiebstahls für sechs Monate im Gefängnis. Bourlet verwies darauf, dass es die mitangeklagte Exfrau Dutroux', Michelle Martin, versäumt habe, die Mädchen zu versorgen. Wegen Mordes an den beiden muss sich aber niemand verantworten.

Kurz darauf grub die Polizei auf einem weiteren Grundstück Dutroux' die Leichen von An, Eefje und Weinstein aus. Die Mädchen waren im August 1995 in Ostende verschleppt worden. Bourlet berichtete, sie seien an den Händen gefesselt und in einer Plastikhülle eingewickelt gewesen. Nach dem Autopsiebericht wurden sie unter Drogen gesetzt und lebendig begraben.

Die im Mai und August 1996 verschleppten Sabine und Laetitia wurden kurz nach Dutroux' Festnahme aus dem Kellerverlies gerettet. Bei der Entführung von Laetitia gab es eine Zeugin. Diese hatte sich nach Bourlets Angaben die Autonummer eines weißen Transporters am Tatort gemerkt, der auf Dutroux zugelassen war.
(apa/red)

1.3.2004 21:45