Montag, 1. März 2004

Ägypten: Berichte über "Systematische Folter"

  • Unmenschliche Methoden bei Verfolgung von Homosexuellen
  • Bei Demo gegen Irak-Krieg Minderjährige festgenommen

In ägyptischen Gefängnissen, Polizeistationen und Gebäuden der Staatssicherheit wird nach Informationen von Menschenrechtsgruppen immer noch systematisch gefoltert. "Human Rights Watch" und fünf ägyptische Gruppen berichteten am Montag in Kairo unter anderem über unmenschliche Methoden bei der Verfolgung von Homosexuellen.

Auch Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen den Irak-Krieg im vergangenen Jahr stünden an der Tagesordnung. Bei einer Demonstration in der Kairoer Innenstadt in den ersten Kriegstagen seien 800 Menschen willkürlich festgenommen worden, hieß es. 61 von ihnen, darunter auch Minderjährige, seien längere Zeit inhaftiert und zum Teil auch gefoltert worden. Die ägyptische Regierung unter Präsident Husni Mubarak hatte sich selbst deutlich gegen den Krieg ausgesprochen.

Ramis Fatah, ein 23 Jahre alter Jurastudent, erklärte bei der Pressekonferenz, er sei nach der Demonstration festgenommen und drei Monate im Gefängnis festgehalten worden. Während dieser Zeit habe er nicht nur zahlreiche Hinrichtungen in einem neben seiner Zelle gelegenen Raum miterleben müssen. Ein Offizier der Staatssicherheit habe ihn geschlagen, an der Decke aufgehangen und mit Elektroschocks malträtiert. Der gleiche Offizier habe ihm nach seiner Haftentlassung auf der Straße aufgelauert und mit dem Auto fast umgefahren, als er aus dem Büro eines Anti-Folter-Zentrums gekommen sei. Der Mann habe ihm mit weiterer Gewalt gedroht, falls er den Fall öffentlich machen sollte.

(apa)

1.3.2004 14:23