Sonntag, 7. März 2004

Franz Schausberger: Ein schwer angeschlagener "Landesfürst"

  • Salzburgs LH ging schon als Verlierer in den Wahlkampf

Der Name Franz Schausberger wird in die Geschichtsbücher eingehen: Denn ausgerechnet unter seiner Obmannschaft stürzte die Volkspartei ab und wurde - erstmals seit 1945 - von der SPÖ überholt. Der "Macher" und "Landesfürst" wurde schwer geschlagen.

Im Grunde ging der 54-Jährige schon als Verlierer in den Wahlkampf: Die Bundesregierung warf ihm einen Prügel nach dem anderen vor die Beine (etwa die Pensionsreform), hartnäckige Gerüchte, er misshandle seine Frau, drückten die ohnedies schlechten Umfragewerte weiter nach unten, und der ÖVP-Wirtschaftsbund setzte schon zum offenen Affront an.

Mit der Präsentation seines späteren Nachfolgers Wilfried Haslauer konnte zwar dieser Parteiflügel noch einmal ruhig gestellt und der absolute Crash verhindert werden, in der Gunst der Wähler hat er sich damit aber selbst den "K.-o.-Schlag" versetzt, wie es Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer (OGM) formulierte. Da half auch ein millionenschwerer Wahlkampf nichts mehr.

"Innenpolitisch", also im Land selbst, arbeitete der gebürtige Oberösterreicher von Beginn weg am Image des Machers. Vorgänger Hans Katschthaler (V) hatte viele anstehende Probleme vor sich hergeschoben, Schausberger zauderte nicht: Der Streit um die Deponie Großarl wurde beigelegt, ein neues Fußballstadion errichtet, das Museum der Moderne auf dem Mönchsberg ist inzwischen kurz vor der Eröffnung und im Kleinen Festspielhaus bestimmen die Bagger den Ton, damit bis zum Mozart-Jahr 2006 das "Haus für Mozart" fertig wird. Zweifellos, Schausberger hat große Brocken erledigt. Etliche aber haben Schönheitsfehler. Im Tempo, so die Kritiker, blieb Qualität auf der Strecke.

1979 wurde Schausberger Landesparteisekretär und Landtags-Abgeordneter (ab 1989 Klubobmann). Seine Kür zum Landeshauptmann und Parteichef 1996 kam dennoch überraschend: Vor allem der Wirtschaftsflügel der ÖVP leistete Widerstand, weshalb ihm Beobachter bestenfalls Außenseiterchancen eingeräumt hatten. Während potenzielle Kandidaten - allen voran der Kandidat der Wirtschaft, LHStv. Arno Gasteiger - außer Landes waren, wurde der neue Landeshauptmann präsentiert und die Partei vor vollendete Tatsachen gestellt.

Geboren wurde Schausberger am 5. Februar 1950 in Steyr (OÖ). 1968 maturierte er am Bundesrealgymnasium in Steyr und begann anschließend mit dem Studium der Philosophie, Pädagogik und Anglistik an der Universität Salzburg. Im März 1973 promovierte er zum Doktor der Philosophie. 1996 erfolgte die Habilitierung des Berufspolitikers zum Universitätsdozenten für Neuere Geschichte an der Universität Salzburg, womit er sich beruflich ein zweites Standbein geschaffen hat. (APA/Red.)

7.3.2004 19:58