Sonntag, 7. März 2004

Aus für VP-Wurmitzer: Wahl-Debakel dürfte Politkarriere beenden

  • Nach vier Jahren seiner Obmannschaft stürzte die ÖVP total ab

Georg Wurmitzer ist ein Langzeit-Funktionär der Kärntner Volkspartei. Ganz an die Spitze schaffte es der 61-Jährige aber erst vor vier Jahren. Bei der Landtagswahl ließ er Scheucher den Vortritt als Spitzenkandidatin. Nach dem katastrophalen Abschneiden - die ÖVP fuhr das mit Abstand schlechteste Wahlergebnis der Nachkriegszeit ein und stellt nur noch vier Abgeordnete - dürfte seine Politkarriere wohl zu Ende sein.

Noch vor einem Jahr meldete Wurmitzer, der am 6. April 1943 in Albeck im Bezirk Feldkirchen geboren wurde, den Führungsanspruch für die Wahl an: "Ich will Spitzenkandidat für die Landtagswahl im Jahr 2004 sein." Am 3. Oktober verzichtete er zur allgemeinen Überraschung zu Gunsten Scheuchers. Diese sei vom Wähler nicht ausreichend honoriert worden, so Wurmitzer in einer ersten Reaktion nach der Wahlniederlage. Er selbst will zwar nichts "hinschmeißen", das sei nicht sein Stil, doch kündigte er eine "geordnete Übergabe" an. Am Montagvormittag könnten bereits erste Konsequenzen gezogen werden, da tagen die ÖVP-Gremien.

Wurmitzer hat das politische Handwerk von der Pike auf gelernt. Nach der Matura 1962 wurde er Volks- und Hauptschullehrer. 1970 zog er in den Gemeinderat von Albeck ein, nur drei Jahre später wurde er Bürgermeister - und blieb es 26 Jahre lang.

1977 übernahm er die Bezirkspartei Feldkirchen, zwei Jahre später kam er als Abgeordneter in den Landtag. Seine politische Ausrichtung: "Ich bin konservativ, aber nicht rechts." Von 1984 an war er Klubobmann, bundesweit bekannt wurde er durch seinen maßgeblichen Anteil an der Abwahl Jörg Haiders als Landeshauptmann im Juni 1991. Wurmitzer hatte Haiders Ausspruch von der "ordentlichen Beschäftigungspolitik im Dritten Reich" aufgenommen und festgestellt, nach dieser Aussage könne nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergegangen werden. 1994 wechselte er ins Parlament, wo er bis 1999 als Mandatar tätig war.

Nach der überraschenden Niederlage der ÖVP bei der Landtagswahl 1999, die Partei hatte immerhin acht Jahre lang als kleinste Fraktion den Landeshauptmann gestellt, wechselte Wurmitzer in die Landesregierung und wurde Gemeindereferent. Es kam zu parteiinternen Auseinandersetzungen mit dem damaligen ÖVP-Obmann Reinhold Lexer. Nach dessen Entmachtung übernahm Wurmitzer am 14. Oktober 2000 bei einem außerordentlichen Parteitag selbst die ÖVP.

Der Vater von zwei Söhnen wurde ein Jahr später für weitere drei Jahre als Parteichef bestätigt. Seine Arbeit als Landesrat war von einem wechselnden Verhältnis zur FPÖ geprägt. Schwarz und Blau bildeten eine Koalition, die nicht so genannt wurde, bis auf eine Ausnahme stimmte Wurmitzer auch stets den Budgetvoranschlägen der Freiheitlichen zu. Dies blieb auch so, nachdem Wurmitzer nach einem Streit über den Neubau des LKH Klagenfurt der FPÖ im Sommer 2002 die Zusammenarbeit aufkündigte.

Er sei immer Kommunalpolitiker geblieben, so Wurmitzer in einer Selbstcharakterisierung. Für die Zeit nach der Politik hat sich der 61-Jährige vorgenommen, den elterlichen Bauernhof in Albeck intensiver zu bewirtschaften.
(APA/Red.)

7.3.2004 18:27