Rot-Blaues Duell: Der harte Kampf um jede Stimme
- Der Super Sonntag wird zum Zahltag für Schwarz-Blau
- Schicksalswahl 7. März - So plant Jörg Haider seine Zukunft
In den letzten Tagen vor der wohl wichtigsten Wahl seiner politischen Karriere zieht Jörg Haider sämtliche Wahlkampf-Register: Kärntens Landeshauptmann verlost mit Millionenaufwand Autos, verschenkt Freibier, Teddys und sogar Freiflüge.
Nichts scheint ihm und der FPÖ zu teuer, um die Stimmen Unentschlossener zu gewinnen. Kein Wunder. Am 7. März geht es mehr denn je um sein politisches Schicksal. Dann entscheiden 425.289 Kärntner, ob Haider doch noch einmal die Pole-Position in Kärnten behalten kann oder ob er nach Wien oder gar ins politische Abseits abfährt.
Spannendes Finish
Drei Tage vor der Wahl ist in Kärnten offenbar nur eines sicher: dass alles noch offen ist. In sämtlichen Umfragen zeichnet sich ein bis zuletzt spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Haider und SP-Spitzenkandidat Peter Ambrozy ab. Die Einschätzungen der wichtigsten Meinungsforscher des Landes liegen im Detail freilich dennoch weit auseinander.
Während Gallup-Chef Fritz Karmasin für Haider durchaus realistische Chance auf Platz eins ortet, sieht market-Forscher Werner Beutelmeyer die SPÖ derzeit klar voran.
Ifes-Chefin Imma Palme analysiert die spannende Wahl: Es gibt sicher ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Haider hat stark aufgeholt. Aber rund ein Achtel der Wähler entscheidet sich erst am Wahltag, da kann es noch stärkere Verschiebungen in die eine oder andere Richtung geben.
Am 7. März entscheiden die Kärntner Wähler freilich nicht nur direkt über die Zukunft ihrer künftigen Landesregierung, sondern indirekt auch über jene der Bundesregierung:
Platz 1: Landeshauptmann Haider wird Parteichef
Sollte Haider trotz ungeliebter schwarz-blauer Regierung und monatelanger FP-Querelen in Kärnten doch Nummer 1 bleiben, würde der 54-Jährige trotz gegenteiliger Ankündigungen von SPÖ und ÖVP, Haider verhindern zu wollen wohl wieder Kärntner Landeshauptmann werden. Kurz nach seiner neuerlichen Angelobung zum carinthischen Landeschef würde er auch wieder offiziell nach dem Parteivorsitz greifen. Beim FP-Parteitag im Herbst würde er dann wieder direkt das, was er schon einmal 14 Jahre lang war und was er indirekt seit der Inthronisierung seiner Schwester Ursula Haubner schon ist. Konsequenz: Haider würde sich naturgemäß wieder verstärkt in die Regierungspolitik einmischen und erneut den Schutzpatron der kleinen Leute mimen. Entsprechende Koalitionskonflikte wären vorprogrammiert.
Knapper Platz 2: Poker mit der ÖVP
Sollte Haider nur knapp (mit ein bis zwei Prozentpunkten) hinter den Kärntner Roten liegen, beginnt der große Poker, erzählt ein FP-Spitzenmann. Dann würde Haider zwar seinen Kärntner Freiheitlichen den Rücktritt anbieten, doch die Bittprozessionen Marke Bitte Jörg, bleib sind ihm sicher. Die würden argumentieren, Haider habe nur wegen der Bundesregierung knapp gegen die Roten verloren, aber immer noch im Vergleich zum restlichen Österreich ein Spitzenergebnis für die FP eingefahren. Einziges Problem an der Geschichte: Die Kärntner ÖVP, die sich vor der Wahl bereits festgelegt hat, Haider keinesfalls mehr aktiv oder passiv zum Landeshauptmann zu wählen, würde dann wirklich versuchen, Haider zu verhindern. Selbst falls die ÖVP auf bis zu 16 Prozent abstürzt, müsste wohl nur die schwarze Spitzenkandidatin Elisabeth Scheucher zurücktreten. Der formale Kärntner VP-Obmann Georg Wurmitzer ein ausgewiesener Kontrahent von Kanzler Wolfgang Schüssel würde gegen dessen Willen alles daransetzen, Haider wirklich in die Wüste zu schicken mit noch unabsehbareren Folgen für die Koalition, einem politischen Wechsel nach Wien inklusive.
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