Freitag, 5. März 2004

Bundesheer: Rund zehn Prozent sind untauglich

  • SPÖ und FPÖ unterstützen Ersatzdienst
  • PLUS: SJ gegen "Gesellschaftsdienst"

Rund zehn Prozent der österreichischen Männer fallen bei der Stellung des Bundesheeres in die Kategorie "untauglich" und müssen daher weder Wehr- noch Zivildienst ableisten. Dieser Anteil hat sich in den vergangenen 15 Jahren praktisch nicht verändert, geht aus Zahlen des Verteidigungsministeriums hervor. Verteidigungsminister Günther Platter hat jüngst im Sinne der Gerechtigkeit über "eine Art Gesellschaftsdienst" auch für Untaugliche nachgedacht.

Die Zahl der jungen Männer, die sich der Musterung unterziehen müssen, ist in den vergangenen Jahren von jährlich mehr als 50.000 auf zuletzt rund 45.000 gesunken. Der Anteil der Untauglichen hat zuletzt (2002) 11,6 Prozent betragen, also rund 5.300 Personen. Platter hatte dazu gemeint: "In Wahrheit sind die gegenüber den Tauglichen bevorzugt, wobei das natürlich nicht für Menschen mit Behinderungen gelten kann."

Uneingeschränkten Applaus für den von Platter-Vorstoß gab es in den "OÖN" von ÖVP-Wehrsprecher Walter Murauer. Schon früher habe es den eingeschränkten Präsenzdienst über die - mittlerweile abgeschaffte - B-Tauglichkeit gegeben. "Jene, die nicht tauglich sind für den Dienst an der Waffe, können im Sinne der Gerechtigkeit einen eingeschränkten Präsenz- oder Zivildienst absolvieren", so Murauer. Dieser solle ebenso lang dauern, nach heutigem Stand also acht bzw. zwölf Monate. Gleichzeitig könne man auch "einen freiwilligen Grundwehrdienst für Mädchen" einführen.

Letzteres ist für SPÖ-Wehrsprecher Anton Gaal "kein Thema". Für Untaugliche allerdings könne man vor allem "über einen Einsatz im Sozialbereich analog zum Zivildienst nachdenken", so Gaal, für den es aber um den Grad der Untauglichkeit geht. "Ungerechte Bevorzugungen" wie beim sportlichen aber einst untauglichen Finanzminister Karl-Heinz Grasser würden so ausgeschlossen.

Für FPÖ-Wehrsprecher Reinhard Bösch ist Platters Vorschlag "natürlich bedenkenswert". Dieser solle aber endlich "die Geduld aufbringen, die Ergebnisse der Bundesheer-Reformkommission abzuwarten". (apa)

5.3.2004 17:44