Drogenhandel: Österreichs Fahnder haben Bosse im Visier
- Suchtgiftanzeigen 2003 zurückgegangen, Zahl der Verbrechen gestiegen
Die Latte für Österreichs Drogenfahnder liegt 2004 sehr hoch: "An die Netzwerke internationaler Organisationen, an die Bosse, an die zweite und dritte Linie" will Innenminister Ernst Strasser (V) die Ermittlungen im Suchtgiftbereich heuer vorantreiben, wie er am Montag bei der Präsentation des Jahresberichtes 2003 zur Drogenkriminalität ankündigte. Erreicht werden soll dies vor allem durch internationale Zusammenarbeit und Strukturermittlungen.
"2003 ist der Ermittlungs- und Verfolgungsdruck auf Dealer und mafiose Organisationen erhöht worden", erklärte Strasser. Die Zahl der Gesamtanzeigen ist im Vorjahr um 0,8 Prozent gegenüber 2002 gesunken, der Innenminister berief sich aber auf einen "massiven " Anstieg der angezeigten Verbrechen. 2.506 angezeigte Verbrechen 2003 nach 2.320 im Jahr davor bedeuteten einen Zuwachs um acht Prozentpunkte. Die Zahl der Vergehen nach dem Suchtmittelgesetz sank dagegen um 1,8 Prozentpunkte (19.739 nach 20.102 Anzeigen).
Massive Anstiege der sichergestellten Drogen gab es im Vorjahr vor allem bei Kokain (+ 58 Prozent gegenüber 2002), Cannabis (+ 24,6 Prozent) und Ecstasy (+ zehn Prozent). Hingegen erwischten die Fahnder um 27,9 Prozent weniger Heroin und um 65 Prozent weniger LSD. Der Gesamtwert des aufgegriffenen Suchtgiftes 2003 beträgt rund 8,2 Millionen Euro, um 22 Prozent mehr als 2002.
In die Führungsebenen der kriminellen Organisationen will Strasser neben dem strukturellen Ermittlungsansatz vor allem durch internationale Kooperationen und durch die Ausnutzung der Analyseinstrumente von Euro- und Interpol, aber auch mittels des neu geschaffenen Sicherheitsmonitors in Österreich selbst eindringen. Auch der Ermittlungsdruck gegen Straßendealer soll aufrechterhalten werden. Denn verhaftete Dealer würden ihren Vorgesetzten Geld kosten
- "mindestens 5.000 Euro Anwaltshonorare", so Strasser. Dieses Geld müssten die Bosse investieren, da die Untergebenen sonst ihre Drogenlieferanten verraten würden. Das wiederum würde Österreich als Drogenumschlagplatz unattraktiv machen, so der Innenminister.
(apa/red)
