Montag, 23. Februar 2004

Gratis ist geil: Handy-Gratistelefonie sorgt für Kundenansturm

  • Lieferengpässe durch Null- und 1-Cent-Tarife sowie Gratis-Fotohandys
  • PLUS: Tarif-Details: Alle Vorteile und Fallen im Überblick!

Geiz ist geil, aber gratis ist besser - dürfte das neue Motto der österreichischen Mobilfunknutzer sein. Seit zwei Wochen hat der Preiskampf unter den Handybetreibern mit netzinternem 1-Cent-Tarif oder Gratistelefonie einen neuen Höhepunkt erreicht. Damit haben Mobilkom Austria, T-Mobile und schon zuvor One auf den seit eineinhalb Jahren geltenden 1 Cent-Tarif von tele.ring reagiert. Der kleinste heimische GSM-Netzbetreiber hatte mit seiner "Der Speck muss weg"-Kampagne massiv im Revier der etablierten Anbieter gewildert. PLUS: Alle Vorteile und Fallen finden sie im großen Tarif-Überblick (Kasten rechts)!

Die neue Runde in der Handy-Preisschlacht hat am Wochenende dazu geführt, dass es in einem Wiener T-Mobile Shop zu Wartezeiten von eineinhalb Stunden gekommen ist, bei der Elektronikkette Niedermeyer wurde in einer Filiale in der Bundeshauptstadt für Gratishandys eine Lieferzeit von zwei Wochen angegeben.

"Unser Relax-Tarif ist richtig eingeschlagen", erklärte T-Mobile-Sprecherin Manuela Bruck. Die Neuanmelder für den netzinternen Null-Cent-Tarif seien ebenso Umsteiger von bestehenden T-Mobile-Tarifen wie Neukunden.

Lieferengpässe und Wartezeiten
Bei Marktführer Mobilkom Austria merkt man zwar auch eine erhöhte Nachfrage, Wartezeiten oder Handyengpässe gäbe es nicht. Auch glaubt man bei der Tochter der börsennotierten Telekom Austria nicht, dass es alleine die Preise sind, die die Konsumenten in die Handyshops bringen. "Unsere Kunden wissen, dass sie bei uns Qualität bekommen", betont Mobilkom-Sprecherin Ursula Novotny.

One mit enormem Kundenzuwachs
Eine "deutliche Belebung des Marktes" sieht One-Marketingleiter Christian Czech. Seit Einführung des 108-Minuten-Gratistarifs habe man 12.000 Neukunden dazugewonnen. Der "Ansturm" hat dazu geführt, dass bei zwei High End-Handys zu Lieferengpässen gekommen ist, so Czech.

Bei tele.ring sieht man den Angriff der Mitbewerber entspannt, schließlich sei der eigene 1-Cent-Tarif kein Aktions-Angebot wie bei den anderen Mobilfunkern, so tele.ring-Sprecher Walter Sattlberger. Außerdem handle es sich bei tele.ring um ein Komplettpaket inklusive 180 Freiminuten, während es bei manchen Mitbewerbern eine Telefonminutenbeschränkung gebe.

Außerdem brauche man sich für den Tarif nicht ummelden, wodurch die Aktivierungsgebühr entfalle, so Sattelberger. Den Gegenangriff der Mitbewerber merke man lauf Sattlberger bisher kaum.

Vorsicht vor Kostenfallen!
Konsumentenschützer warnen davor, nur auf das Minutenentgelt zu achten. Die Kostenfallen würden sich im "Kleingedruckten" verbergen, wie beispielsweise nur eine kurze Laufzeit für den günstigen Tarif, lange Vertragsbindungszeiten oder teure Tarife für Telefonate in andere Netze oder ins Ausland.

Offiziell gehen die Mobilfunker davon aus, dass der Preiskampf noch länger anhalten werde, hinter vorgehaltener Hand wächst allerdings die Sorge um die schwindenden Margen.

Branchenintern wird damit gerechnet, dass von den heimischen sechs Mobilfunkanbieter - vier GSM-Netzbetreiber, ein GSM-Wiederverkäufer (Tele2) und einem reinen UMTS-Anbieter ("3") - nur vier bis sechs Anbieter in den nächsten Jahren übrig bleiben. Insbesondere für den UMTS-Markt gäbe es nicht genug Nachfrage für mehr Betreiber.

Marktanteile im Überblick
Nach Angaben der RTR hat die Mobilkom derzeit einen Marktanteil von rund 44 Prozent, gefolgt von T-Mobil mit 29, One mit 19 und tele.ring mit 8 Prozent. UMTS-Anbieter "3" (Hutchison) hält bei 0,3 Prozent, zu Tele2 liegen keine Zahlen vor.

Eine stärkere Verschiebung der Marktanteile zu den kleineren Anbietern erwartet sich die Mobilfunkbranche durch die Rufnummernmitnahme beim Betreiberwechsel. Zeitungsberichte gehen davon aus, dass dies erst ab 2005 möglich sein werde und nicht wie bisher angenommen ab Herbst 2004. Grund sollen "erneut heftige Streitigkeiten der Netzbetreiber über die Wechselmodalitäten" sein.

Preisschlacht zerstört Arbeitsplätze
Die Freude der Konsumenten über die jüngste Preisschlacht am österreichischen Mobilfunkmarkt könnte eine kurze sein, fürchtet der Chef der Telekom-Regulierungsbehörde RTR, Georg Serentschy. Er sieht in den Null-Cent und 1-Cent-Tarifen sowie Gratishandys eine "Marktzerstörung", die die Konsumenten langfristig mit weniger Service bezahlen werden. Außerdem würde die "wirtschaftliche Unvernunft" der Unternehmenslenker zum Verlust von Arbeitsplätzen in der Telekombranche führen.

Wie Serentschy weiters betonte, seien die jüngsten Mobilfunkangebote ein "psychologisch falsches Zeichen", das den Konsumenten den Eindruck vermittle, Handys oder Mobilfunk-Dienstleistungen seien etwas Wertloses.

(apa/red)

23.2.2004 14:32